Posts mit dem Label libri-klasse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label libri-klasse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 11. Januar 2010

GOTT beisst Mann

Weil die unter "versenkte Schiffe" aufgeführte "Libri-Klasse" in diesem Blog leider viel zu kurz kommt, kommt an dieser Stelle eine kurze Leseempfehlung für alle nicht blinden Passagiere auf dem T-Boot: bei Vorsicht, bissiger Gott handelt es sich um eine Sammlung von 14 Kurzgeschichten, die von ihrem Urheber, Shalom Auslander, im Untertitel als Fiese Storys umschrieben werden - ein Umstand, den der Urheber dieses Eintrages vorbehaltlos unterschreibt.
Fies, weil GOTT (und zwar der jüdische, oder, um den interreligiösen Dialog nicht durch unerwünschte Zwischenrufe zu stören, GOTT aus der jüdischen Perspektive) darin schon mal zur Knarre greift, wenn der TOD seinen Pflichten nicht nachkommt.
Fies auch, weil eben jener GOTT hier auch als Stalker beschrieben wird, der seinen Gläubigen irrsinnige Aufgaben überträgt und bei Nichterfüllung mit den üblichen Plagen droht.
Fies zuletzt, weil selbst die Tierwelt hierin besser wegkommt, als die Vertreter der Spezies Homo sapiens Homo erectus; sei es in Form eines angewidert dreinblickenden Hundes, der seinem masturbierenden Herrchen ein schlechtes Gewissen beibringt oder in Gestalt einiger Schimpansen, die im Gegensatz zu ihren Artverwandten vor der Scheibe des Zoos in der New Yorker Bronx, von der Erkenntnis getroffen den Freitod wählen.
Neben fies sind Auslanders Geschichten vor allem zynisch und respektlos, manchmal tieftraurig und manchmal zum Schreien komisch, insbesondere aber lesenswert.

Freitag, 8. Januar 2010

Sofia Calling

So eine Überschrift kommt dabei raus, wenn man einen in London spielenden Roman eines bulgarischen Autoren mit dem Titel eines Klassikers der Sex Pistols zu kombinieren versucht. Immerhin schafft es Alek Popovs Mission: London damit in dieses Weblog.
Die Handlung en bref: der aufgeblasene bulgarische Diplomat Varadin Dimitrov tritt nach mehrmonatiger Vakanz die Stelle des Botschafters in der britischen Hauptstadt an. Alles was er jedoch vorfindet, ist ein Sauhaufen, der sich dank Dimitrovs eigener Unfähigkeit - sowie mit tatkräftiger Unterstützung einiger Kleinkrimineller, einer dubiosen PR-Agentur und einer widerspenstigen Putzfrau - im Verlauf der Geschichte über einen Scherben- bis hin zu einem Trümmerhaufen zu entwickeln droht. Dass am Ende wieder der Urzustand einkehrt und die gesamte Delegation wider Erwarten doch nicht nach Sofia zurückbeordert wird, ist dabei weniger dem Geschick der Protagonisten als eher dem Glück oder göttlicher Fügung zuzuschreiben.
Sprachlich und stilistisch sicher kein Meisterwerk - dies mag freilich nur für die deutsche Übersetzung gelten - kann Mission: London durch seinen hohen Unterhaltungswert dennoch überzeugen. Indem er sich sämtlicher Klischees über Osteuropa und den Balkan bedient, bildet der Roman auf pointierte Weise die Anstrengungen, Hoffnungen und Sorgen der Beitrittskandidaten während der Gespräche um die EU-Osterweiterung ab. Popov inszeniert einen subtilen Clash of Cultures, der zwar mit einigen humoristischen Höhepunkten aufwarten kann, vor allem aber auf einem konstanten Niveau zu amüsieren weiß.

Mittwoch, 16. April 2008

Djian-Senf

Nein, kein Tippfehler sondern ein albernes Wortspiel um irgendwie auf 100 zu 1 zu sprechen zu kommen, eine Sammlung früher Kurzgeschichten von Philippe Djian, die zumindest eine gewisse Schärfe mit der Gewürzpaste gemeinsam hat. Djian soll seine Erzählungen im Alter von 22 Jahren geschrieben haben - zwar nicht in der französischen Senfkapitale, dafür aber an einer Autobahnmautstelle, während er dort dem Job des Kassierers nachging. Klang jedenfalls interessant genug, um ein Exemplar davon zu erwerben.
Darin enthalten elf Storys, die von den üblichen Verdächtigen bevölkert werden, vom welken Duft der Flowerpower umhüllt sind und sich noch nicht so richtig in das kalte Neonlicht der 80er Jahre trauen, in welchen sie geschrieben wurden. Macht aber nichts, denn gerade dadurch wird Djians Prosa eine ganz eigene, spezielle Aura verliehen, die noch am ehesten an Henry Chinaski auf einem Frankreichtrip erinnert: One-Night-Stands, die in Baumkronen leben und Flügel auf dem Rücken tragen, Porno-Autoren, die ein Bierchen trinken gehen und ihren Chefredakteur mit seiner Herzattacke auf der Toilette zurück lassen, sowie die ganz Verzweifelten - Viagra war noch nicht erfunden - die ihren Potenzproblemen mit einer Spritze flüssigen Wachses entgegentreten.
100 zu 1 ist zwar nicht das perfekte Dinner, der einschlägige Gourmetleser wird es aber als einen guten, hochprozentigen Apéro zu schätzen wissen, der Appetit auf Djians weiteres Œuvre macht.

Samstag, 21. Juli 2007

Alles sein gut

Alles ist gut verkündeten DAF bereits 1981, und über der Idealbank prangten bis zum Ende die Worte alles wird gut. Neben Präsens und Futur I gesellt sich nun auch das Präteritum zu dieser Phrase: Alles war gut. Genau so soll nämlich der neue, wenn ich mich nicht irre siebte Harry Potter-Band enden, und, um die Spannung gleich vorwegzunehmen, es war tatsächlich so, denn der gute Ha(a)rald Töpfer überlebt und besiegt seine Erzfeind Lord - Zitat Peter Neururer - Vollfriseur. Und da, dem T-Boot sei Dank, die Fangemeinde des Zaubererazubis nun das Ende kennt, kann sie sich ab sofort auch wieder anständiger Literatur widmen und die Kinderbücher den Kiddie-Kids lassen, die sie zwar nicht lesen werden, aber im Teenageralter angekommen via eBay verticken und sich dafür dann 'nen Abend mit Alkopops eindecken. Gern geschehen, keine Ursache, schließlich muss ja auch eines Tages mal alles gut gewesen sein.

Samstag, 5. Mai 2007

Kyunkasko sbazko byusba?*

*Wo ist das Toilettenpapier?

Seit geraumer Zeit schon fiel mir bei meinen Streifzügen durch die Buchhandlungen des Landes immer wieder ein Titel ins Auge. Da ich nun Reiseführer nur bedingt zu der von mir bevorzugten Lektüre zählen kann, beachtete ich das Buch zwar nicht weiter, aber die darin beschriebene Reisedestination "Molwanîen" machte mich schon etwas nachdenklich. Sollten meine geographischen Kenntnisse doch nicht ganz so fundiert sein wie ich angenommen hatte, oder sind mir da einige nicht irrelevante tagespolitische Ereignisse komplett entgangen?
Ich ging der Sache nun näher auf den Grund, mit dem Ergebnis, dass ich sofort ein Exemplar von "Molwanîen - Land des schadhaften Lächelns" erworben habe.
Bei dem vorgestellten Reiseziel handelt es sich um eine fiktive osteuropäische Republik, irgendwo zwischen dem Balkan und den ehemaligen Sowjet-Staaten angesiedelt, die so ziemlich alle über Länder hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang existierende Klischees in sich vereint: Die Einwohner sind hässlich, dumm und hinterhältig, streitlustig, lüstern und arbeitsscheu. Dementsprechend ist es nicht weiter verwunderlich, dass Reisende dort in erster Linie betrogen, verprügelt und oder vergewaltigt werden.
Bemerkenswert ist vor allem, wie detailliert die drei Autoren das ausgedachte Land in ihrem Reiseführer ausgearbeitet haben. Es finden sich Hotel- und Restaurantempfehlungen, Öffnungszeiten der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten und ein Überblick über die nationalen Sitten und Gebräuche, wie etwa das Bewerfen einer Braut mit stacheligen Knollen oder die tägliche Eröffnung der Börse in der Hauptstadt Lutnblaag durch das Abfeuern einer Kalaschnikow.
Der "Jetlag Travel Guide: Molwanîen - Land des schadhaften Lächelns" ist allemal eine Empfehlung wert, vergleichbar in etwa einer Endlos-Ausgabe der Titanic, und eines jener Bücher, die den Leser auch um zwei Uhr nachts alleine auf der Toilette zu schallendstem Gelächter zwingen.