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Dienstag, 30. Dezember 2008

Liebe Bank meines Vertrauens,

- sofern eine solche Anrede inmitten der Finanzkrise überhaupt noch schicklich ist - ich weiß, dass die Zeiten hart sind. Aber das sind sie nicht nur für Dich, sondern auch für mich und überhaupt alle. Deswegen schätze ich es auch ganz und gar nicht, als langjähriger Kunde - und sogar genau so langjähriges Mitglied - innerhalb der regulären Geschäftszeiten mit einem gehetzten Blick zur Uhr sowie den Worten "Heut' isch's aber ung'schickt" begrüßt zu werden.

Wenn da nicht schon mal jemand einen guten Vorsatz für's neue Jahr hat,

Dein Jean-Paul

Dienstag, 27. Mai 2008

Die teuflischen Tanten

Dass Lucy, Sandy, Mandy und die andere Mandy keine Engel sind, war mir zwar bekannt, dass sie Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten würden, erfuhr ich allerdings erst kurz vor Anpfiff.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten, diesen munteren Gesangswettstreit zu begehen: man informiert sich entweder vorher über das TV-Programm und ignoriert für ein paar Stunden die Taste Nummer eins auf der Fernbedienung, oder aber man fügt sich mit Unterstützung der Brauerei seines Vertrauens dem Schicksal. Da ich nun bereits am Nachmittag der durchaus nicht irrelevanten Frage auf den Grund ging, welches Fassungsvermögen - in Bierflaschen gerechnet - denn eigentlich der Kühlschrank im Bedarfsfall aufweisen könnte, war mein Weg in diesem Jahr allerdings vorherbestimmt.
Meine Erwartungen an die Belgrader (dem diesjährigen Austragungsort) Stadtmusikanten hätten nun, wenn vorhanden, gegen Null tendiert, wurden in der Folge aber bei weitem übertroffen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, nennenswert etwa Le Grand Lebœfski, die französische Antwort auf den Dude oder der greise, kroatische Straßenrapper 75 Cents, entsprachen die musikalischen Darbietungen zwar einmal mehr der Live-Übertragung einer Gruppe mit Valium gemästeter Paviane, die über Nacht in den Orchestergraben eines Opernhauses gesperrt wurde, dafür konnte aber die zweite Hälfte, die Abstimmungsphase, durchaus mit Spannung aufwarten, denn zum ersten Mal seit Guildo Horn und Moritz Mütze (oder so) hatte man wieder allen Grund mit den teutonischen Vertretern mitzufiebern.
Nicht etwa weil Lucy und die drei Mandys ernsthafte Chancen auf den Sieg gehabt, geschweige denn diesen verdient hätten, nein, sondern weil jede neuerliche Nullrunde die Hoffnung nährte, dass die vier Popstars-Pomeranzen einen der schlechtesten letzten Plätze in der Geschichte eines der schlechtesten Musikwettbewerbe belegen könnten. Leider wurde daraus nichts, denn einem ungeschriebenen Gesetz nach wird der ehemalige Grand Prix Eurovision de la Chanson nun mal mit Stimmen vom Balkan entschieden, und die Bulgaren gaben, weil eine der vier Mandys, ich glaube Lucy, ursprünglich von dort kommt, großzügige zwölf Punkte.
Vielleicht schickt man statt der teuflischen Tanten im nächsten Jahr gleich die Böhsen Onkelz - so wäre man in puncto letzter Platz immerhin auf der sicheren Seite.

Dienstag, 26. Februar 2008

Ein Amerikaner in Pjöngjang

Nette Überschrift, stimmt aber nicht ganz, denn derzeit halten sich gleich mehrere Amerikaner in der nordkoreanischen Kapitale auf, nämlich die New Yorker Philharmoniker, die dort im Rahmen eines Konzertes unter anderem auch George Gershwins bekannte Suite zum Besten geben, in welcher der Protagonist durch Paris wandelt.
Obwohl der Auftritt bereits als diplomatischer Geniestreich gefeiert wird, dürfte bislang allerdings unklar sein, ob die Musikanten jemals wieder aus der demokratischen Volksrepublik in den Big Apple zurückkehren werden, denn der "Liebe" Führer, dessen PdAK (Partei der Arbeit Koreas) neben Hammer und Sichel auch den Pinsel in ihrer Flagge führt, hat sich in der Vergangenheit schon häufig als allzu großer Kunstliebhaber erwiesen - etwa 1977 als der passionierte Cineast den Regisseur Shin Sang-ok und seine Frau, die Schauspielerin Choi Eun-hee aus dem südlichen Teil der koreanischen Halbinsel entführen lassen hat.
Ein Hintertürchen bleibt freilich auch für Lorin Maazel und sein Ensemble offen: In der Vergangenheit trat das Orchester immer wieder hinter dem Eisernen Vorhang auf, und auch dieser ist schließlich eines Tages gefallen - unter Umständen ja sogar aufgrund musikalischer Beschallung. In diesem Fall kann die Devise also nur lauten: Spielt’s ihm noch einmal, dem Kim!

T-Boot-TV-Tipp: arte strahlt das kuriose Konzert übrigens ab 19.00 Uhr aus.

Dienstag, 29. Januar 2008

Oh, Roberto!

Die Überschrift dieses Eintrags wäre als Anrede in diversen Situationen denkbar, etwa von einer schnalzenden Zunge begleitet an den Koch der Lieblingstrattoria gerichtet oder mit flehenden Händen gen Himmel, nach einem verschossenen Elfmeter im Finale der Fußball-WM. Hier nun soll jedoch eine andere Variante im Zentrum stehen: die stirnrunzelnd den BILD-Schreiberling belächelnde.
Ganz in der Tradition des Hauses Springer, Namen in die denkbar originellsten Wortspiele zu verwandeln (unvergessen der Herr Mehrdorn von der Deutschen Bahn), handelte nämlich Roberto Lamprecht, dessen Artikel über den brasilianischen Fußballspieler Gilberto jüngst auf der Online-Spielwiese von Deutschlands schäbigstem Boulevard zu bestaunen war. Der Kicker von der Copacabana der bis vor kurzem mit seinem Arbeitgeber, dem Berliner Fußballclub Hertha BSC, um einen neuen Vertrag feilschte, wurde von Herrn Lamprecht deshalb kurzerhand in "Gierberto" umbenannt.
Scheinbar fand Herr Lamprecht nun seinen Namensverdreher derart lustig, dass er ernsthafte Bedenken hatte, seine Schöpfung könne verloren gehen innerhalb der wirren Auflistung von Brutto- und Nettosummen, welche summa summarum das Salär des Samba-Bolzers ergeben sollen, und hatte aus diesem Grund ganz tief in die stilistische Trickkiste gegriffen: die Gier in "Gierberto" hat er nämlich extra in großen Lettern hervorgehoben. Ganz schön clever, eine wahre Leuchte, der LAMPENrecht (na, na, wer hat's kapiert?).

Der Fairness halber muss erwähnt werden, dass RobertOH! (hihihi, noch so ein Kracher!) nicht alleine für den Artikel verantwortlich ist - ein gewisser Henning Feindt scheint ebenfalls seiner Finger im Spiel gehabt zu haben. Warum jedoch ür einen Textbeitrag dieser Länge und Güteklasse gleich zwei Autoren entlohnt wurden, bleibt aber Springers Verlagsgeheimnis.

Samstag, 29. September 2007

Pimp my Müesli

Clevere Geschäftsidee oder nur einer von vielen, dem Tod geweihten Versuche im Internet Geldscheine zu drucken? Die Kollegen vom Trierer Medienblog, dem Weblog der Medienwissenschaftler an der Uni Trier, haben mich auf folgende Website aufmerksam gemacht: mymuesli.
Liebhaber des Zürcher Allerlei können dort ihre favorisierte Müesli-Mische zusammenstellen, die, online geordert, vom Postillon direkt in die Küche, respektive an den Frühstückstisch kutschiert wird.
Bei den angegebenen 566 Billiarden auf diesem Wege möglichen Müeslis gelangt man am Ende höchstwahrscheinlich wirklich zu exakt dem einen, alle anderen Cerealien zu ächten. Aber musste dafür tatsächlich ein so trashiger Name wie mymuesli aus der Tonne gezogen werden? Erstickt diese Wahl nicht die durchaus gefällige Idee, dem irgendwie immer noch mit dem Klischee des Fast-Food-Junkie-Internet-Users behafteten Cyberspace einen gewissen Öko-Touch zu verleihen, im Keim, im Kern, im Korn?
Obwohl auf dem T-Boot jeder Versuch willkommen ist, an den Fressnäpfen der Flocken-Monopolisten zu rütteln, wird das Birchermus wohl auch in Zukunft auf dem Speiseplan in der Kombüse fehlen.

Dienstag, 4. September 2007

Man gönnt sich ja sonst nichts

Eigentlich wollte ich heute Vormittag nur ein paar kleine Besorgungen machen, habe es dann aber doch mal wieder so richtig krachen lassen: nachdem ich die Kasse passiert hatte, lag doch tatsächlich ein ganzer Liter Milch im Netz. Genau das Richtige, um meine Schampus schlürfenden Nachbarn mit einem sarkastischen Muuuh! zurück in den Jacuzzi zu treiben.

Dienstag, 21. August 2007

Das aktuelle Trendbarometer

IN: Rückrufaktionen. Wer was auf sich hält, ruft dieser Tage zurück, und zwar am besten wegen irgendwelcher Metallteilchen. So etwa der Ramschladen Mattel, dessen dämliche, blonden Töchter sich anstelle von Modeschmuck mit kleinen Magneten behängt haben, oder Hänschen Riegel aus Bonn am Rhein, der den bei einer Reinigung angefallenen Metallabrieb aus Versehen in seine Kokosbällchen eingebacken hat. Wann und ob sich der Freistaat an diesem Trend beteiligt, und etwa seine Politiker zurückruft ist bislang jedoch ungewiss.

OUT: Streikende Lokführer. Weil Lukas & Co. mehr Kohle fordern, musste Bahnchef Mehdorn seinen für Mittwoch angekündigten Besuch in der Moselmetropole Trier leider absagen. Kleines Trostpflaster: Aufgrund der umständlichen Bahnverbindungen in die älteste Stadt Deutschlands wäre der Verspätungsweltmeister wohl ohnehin nicht vor Freitag eingetroffen.

Sonntag, 29. Juli 2007

Alle lieben Dubya - Die neue Weblog-Sitcom

Folge 1: Dubya hat die Faxen dicke

Dubya ist außer sich vor Wut, denn während sich die NASA-Astronauten heimlich an seiner Hausbar vergehen, hat irgend so eine Napfnase sein neues Raumschiff demoliert. Doch Dubya wäre nicht der Präsident der Vereinigten Staaten, hätte er den Kreis der Täter nicht schon auf zwei beschränkt: Entweder steckt der fiese Kim aus dem dubiosen nordkoreanischen Schnellimbiss dahinter oder Onkel Osama, der ständig Dubyas Washington Post von der Veranda klaut und auch sonst keine Gelegenheit verstreichen lässt, seine üblen Scherze zu treiben.
Derweil steht die Berliner WG von Dubyas deutscher Brieffreundin Angie Kopf, denn ausgerechnet Nachbar Nicky möchte in Libyen einen Atomreaktor bauen und das gerade jetzt, wo Lieblingseisbär Knut zu groß für den Streichelzoo geworden ist. Zu allem Überfluss weiß Dubya bislang noch gar nichts von den Geschehnissen in Übersee...

Dienstag, 10. Juli 2007

Brummschädel

Den Zustand eines vor Leere pulsierenden und gleichzeitig aufgrund von Überfüllung vibrierenden Hauptes kann man auf vielfältige Weise erreichen, etwa durch einen ungeschickten Sturz, übermäßigen Alkoholgenuss oder das Zusammenfassen zweier Einträge à 25 Seiten aus dem historischen Wörterbuch der Philosophie zu einem Fließtext. Alle drei Ereignisse führen zu ein und demselben Resultat: Man möchte sich im Kreise drehen, mit den Armen wedeln und dabei einfach nur Nonsens brabbeln wie etwa RAGgGAwuuuUUUh roG-Ruk MAouuu muuu ughUuuuiiieee likliklieeeek GwoAG-glog.
Glücklich kann sich schätzen wer ein Weblog führt und Leser hat, die diese Worte verstehen.

Samstag, 9. Juni 2007

Servus, Erdnuss!

Wie bekannt sein dürfte trat am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm auch US-Star-Komiker George W. Bean auf, dessen Nummer mit dem überlaufenden Bierglas jedem - vor allem der Kanzlerin, die direkt daneben saß - noch in freudiger Erinnerung sein dürfte.
Für das im Rahmen einer Europa-Tournee stattfindende Gastspiel im Vatikan hat sich die Ulknudel nun wieder etwas ausgedacht: kurzerhand schlug der den Papst zum Ritter, sprach den Papa einfach mal mit "Sir" an. Beim anschließenden Geschenketausch machte Ratze selbst sich dann endgültig zum Ritter der Kokosnuss, ging George erneut auf den Leim: Während er seinem Besucher einen wertvollen Kunstgegenstand aus dem 17. Jahrhundert überreichte, ließ er sich von Bean mit einem ollen Stab abspeisen, auf welchen kurz zuvor ein Obdachloser gegen den Obolus von zwei Dosen Hansa-Pils die zehn Gebote gekritzelt hatte.
Wenn Appelt und Konsorten doch nur annähernd so witzig wären...

Freitag, 8. Juni 2007

Opium fürs Volk

Dass Religion selbiges ist, hat bereits Karl Marx vermerkt, dass sie aber auch Hasch und Heroin für die Bürger hat, ist neu. Jedenfalls hat die Polizei in Halberstadt, Sachsen-Stillstand, den dortigen Domdealer - im Jargon auch Küster genannt - geschnappt, der sein Material stilecht im Gotteshaus gebunkert hat.
Wie man sich nun den Verkauf vorstellen darf, ob zum Beispiel während einer Hochzeit oder Taufe mal eben Beutelchen und Geldscheine getauscht wurden, eventuell sogar der Beichtstuhl für derartige Transaktionen herhalten musste, ist bislang nicht bekannt; das T-Boot wird diese Angelegenheit auch garantiert nicht weiterverfolgen.

Montag, 14. Mai 2007

Knobi-Dope

Vor einer Woche wurde der japanische Fußballspieler Kazuki Ganaha vom J-League-Klub Kawasaki Frontale zu einer Sperre von sechs Spielen verurteilt. Der Grund hierfür war eine Allium sativum-Infusion, welche ihm zur Grippeheilung vom Teamarzt verabreicht worden war.
So weit nichts Ungewöhnliches, verstoßen Sportler doch regelmäßig gegen die Doping-Bestimmungen. Etwas kurios wird die Angelegenheit allerdings dann, wenn man betrachtet was sich hinter dem lateinischen Namen Allium sativum verbirgt, denn es ist niemand anderes als die gute, alte Knoblauchknolle.
Die Tatsache, dass sich ein Mensch intravenös konzentrierten Knoblauch verabreichen lässt, ist an sich schon ausreichend merkwürdig. Dass diese Substanz allerdings auf Nippons Doping-Listen zu finden ist, mutet noch weitaus sonderbarer an. Gar nicht auszudenken was passieren würde, führe die Tour de France durchs Land der aufgehenden Sonne.

Samstag, 12. Mai 2007

Die Barden balgen sich

Heute in Helsinki, Finnland, um im Rahmen des Eurovision Song Contest den Besten ihrer Zunft zu ermitteln. Nun ja, eigentlich wird der Sieger des Sangeswettstreits nicht direkt dort ermittelt - die teilnehmenden Troubadoure spielen lediglich in der skandinavischen Hauptstadt vor. Abgestimmt wird nämlich via Televoting und hier liegt auch schon der Hund beziehungsweise Elch begraben: Seit Yugoslawien und die Sowjetunion in eine Vielzahl von Einzelstaaten zerfallen sind, findet bei der Abstimmung eine regelrechte Wettbewerbsverzerrung statt, die den Sinn der ganzen Veranstaltung in Frage stellt. Auf dem Balkan zum Beispiel, wo man vor gar nicht allzu langer Zeit noch aufeinander geschossen hat, schustert man sich jetzt, unabhängig von der Qualität der Darbietungen, gegenseitig die Punkte zu.
Man könnte sich stundenlang darüber echauffieren, wäre der Concours Eurovision de la Chanson nicht eine in e-musikalisch völliger Bedeutungslosigkeit dümpelnde Tri-Tra-Tralala-Veranstaltung, der Kitsch-Kommerz in Reinkultur, dessen Ernsthaftigkeit unter anderem schon dadurch belegt wird, dass es solch illustren Persönlichkeiten wie dem deutschen Schlager-Patron Ralph oder Rolf oder Rudi Siegel möglich ist, diesen Wettbewerb über Jahrzehnte hin zu dominieren.
Welche Erwartungen also kann man überhaupt noch an das kontinentale Vorsingen richten? Mir jedenfalls fällt außer einem Schmunzeln zwischen zwei Schluck Bier, welches die geckenhaften Gesangeskünstler auf mein Gesicht zaubern nicht mehr allzu viel ein.

Mittwoch, 25. April 2007

Schiffstaufe

Sozusagen. Eigentlich eher ein Manifest; um den Bogen wieder zu spannen, meinetwegen ein maritimes. Dank modernster Technik ist das T-Boot in der Lage eine Vielzahl von Ereignissen wahrzunehmen, Berichtenswertes wird im Logbuch vermerkt. Die Häufigkeit der Einträge wird von derjenigen der Tauchfahrten - Unterwasser-Kommunikation ist ja bekanntlich so eine Sache - abhängen, der Inhalt entweder in der Kombüse zubereitet oder direkt durch das Torpedorohr versendet. Außerordentliche Entdeckungen werden via Periskop auf die Augen oder mit dem Echolot hinter die Ohren gegeben - die Navigation innerhalb der Seitenleiste dürfte selbst Landratten keine allzu großen Schwierigkeint bereiten.

Ahoi!

Dienstag, 24. April 2007

Stapellauf

Willkommen an Bord!

Das T-Boot, Flagschiff der Téddôt-Klasse und Prototyp eines mit Bio-Diesel betriebenen, voll verchromten Unterwasser-Kreuzfahrt-Trägers stellt seinen Passagieren - auch den blinden - das Logbuch zur Einsicht bereit.

Der Kapitän,

Jean-Paul Téddôt