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Donnerstag, 1. November 2007

Aliens killed my cat

Ungeplant, und wahrscheinlich gerade deswegen, hat die ARD den Privaten gestern Abend vorgemacht, wie gute Late-Night-Comedy auszusehen hat: Eigentlich ging es Sandra Maischberger in ihrer Sendung nur darum, einige Meinungen zur Frage "Ufos, Engel, Außerirdische - sind wir nicht allein?" einzuholen - dass sie selbst, durch die bloße Auswahl ihrer Gäste, den besten Beweis für extraterrestrisches Leben erbringen würde, hätte die TV-Moderatorin wohl selbst in ihren kühnsten Träumen nicht zu denken gewagt.
Wenn etwa der marsianische Bestsellerautor Johannes von Buttlar den noch bei weitem irdischsten Eindruck aller Anwesenden hinterlassen hat, liegt es auf der Hand, dass die Anderen per Anhalter von wo ganz woanders hergekommen sein müssen. Joachim Bublath zum Beispiel, der den Fernsehzuschauern in den 80er Jahren mit Taschenspielertricks die wunderbare Welt der Physik näher zu bringen versuchte, sollte die Rolle des rationalen Wissenschaftlers mimen. Stattdessen brachte sein auf arrogante und naive Art zur Schau gestellter Positivismus eine ohnehin hysterisch zeternd und kreischende Nina Hagen dermaßen in Rage, dass sich der ehemalige Knoff-Hoffer nicht anders zu helfen wusste, als das Studio noch vor Ablauf der Sendezeit zu verlassen. Des einzigen echten Gegenparts entledigt konnte die Punk-Ikone das Gaspedal nun bis zum Anschlag durchtreten: Frau Hagen beklagte unter anderem die Entführungen von Erdenbürgern durch Außerirdische und enthüllte die geheimen Pläne zur Errichtung von Kolonien auf Mond und Mars, in welchen der amerikanische Präsident George W. Bush seine WASP-Elite unterzubringen gedenkt.
Die eigentliche Attraktion dieser Ausgabe von Menschen bei Maischberger war jedoch ein gewisser Parapsychologe namens Walter von Lucadou, dem nach eigenen Angaben einzigen "working scientist" der illustren Runde, neben dem sogar noch Ufo-Papst von Buttlar seriöser als Stephen Hawking wirkte. Von Lucadou, der nebenbei bemerkt eine auch noch staatlich geförderte Beratungsstelle für unerklärliche Phänomene leitet, kam auf einen Redeanteil von gut 75 Prozent, was angesichts seiner Ausführungen, die noch weiter als die unendlichen Weiten des Weltalls waren, jedoch nicht weiter verwunderlich ist. Obwohl zwar viel geredet, hat der gute Mann leider ungleich weniger gesagt - von einem Wissenschaftler, der gezwungen ist, die Glaubwürdigkeit seiner Arbeit mit dem Satz "ich war nicht betrunken" zu untermauern, kann man aber wahrscheinlich auch nicht mehr erwarten. Herausgekommen ist letztendlich immerhin die Erkenntnis, dass "die Welt komplexer ist, als Sie denken, Herr Bublath" - ein Ergebnis, welches selbst den promovierten Physiker In Erstaunen versetzt haben dürfte.
Die Fünfte im Bunde, Fernsehmoderatorin Sabrina Fox, die in engem Kontakt mit Engeln aller Arten steht, kam nicht über die Schilderung eines Zwiegesprächs mit ihrem geflügelten Schutzpatron hinaus, denn der universalgelehrte Herr von Lucadou hatte natürlich auch hierzu sofort eine Anekdote parat.
Wer nun neugierig geworden ist, die Sendung aber verpasst hat, dem sei als kleiner TV-Tipp die Wiederholung (Samstag, 3. November, 22.30 Uhr, 3sat) angeraten. Für Dampfmaschinen-Nostalgiker bietet die ARD allerdings auch einen VHS-Mitschnitt feil - wer also noch über eine entsprechende Apparatur verfügen sollte, kann beherzt zugreifen.

Donnerstag, 23. August 2007

Hamburger-Hype

Der Spiegel titelt in dieser Woche mit "Vergesst London und Paris! Europas coole Städte sind Amsterdam, Barcelona, Dublin, Kopenhagen, Tallinn, Hamburg..."
Und gerade Hamburg ist der Stein des Anstoßes, denn gleich am Montag lästerte die taz darüber, dass die Hansestadt ja wohl nur deshalb in die Liste aufgenommen wurde, weil sich zufälligerweise der Hauptsitz des Augsteinschen Verlages dort befindet und Rudis Erben eben auch zum Club der coolen Leute zählen wollen.
Dieser Vorwurf scheint nicht gänzlich aus der Luft gegriffen zu sein, denn betrachtet man das Online-Spiegelbild dieser Woche, taucht darin vor allem der Stadtstaat an der Elbe in ungewohnter Häufigkeit auf: "Kulturstadt Hamburg", "Hamburger HafenCity" und "Global City Hamburg" werden in jener aufdringlichen Hartnäckigkeit herunter geleiert, die bislang nur einem gewissen Verlag mit Sitz in Berlin eigen war. Glücklicherweise ist die Hauptstadt (noch) uncool...

Montag, 16. Juli 2007

Irre gut bekloppt

Oder einfach nur richtig dran vorbei: Genial daneben, die, ja, "Comedy-Quiz-Show" auf dem Privatsender Ihres Vertrauens. Samstag Abend jedenfalls blieb ich daran hängen - wenigstens ein paar Minuten lang.
Die 90er Jahre-Ikone von Radio Television Luxemburg, der Pate der Tutti-Frutti-Titten-Stafette, Hugo Egon Balder, stellt seinem Rateteam knifflige Fragen, während jenes - es liegt in der Natur der Sache - versucht diese zu beantworten. Da es sich bei den Rätselfüchsen nun um "Comedians" handelt, also alleine schon von Berufswegen superlustigen Leuten, sind die Schenkelklopfer praktisch vorprogrammiert. Zumindest sollten sie das.
Zwar sind die Aufgaben à la "Warum wird dem Bürgermeister von Wanne-Eickel alljährlich am Pfingstsonntag eine Kokosnuss auf den Kopf gespannt?" noch halbwegs gewitzt, was die funny Mannschaft um Hella von allen Sinnen und Geistern verlassen jedoch an funny Antworten abliefert, entlockt allenfalls ein müdes Lächeln - vorausgesetzt der eigene Alkoholpegel nähert sich der Ein-Promille-Grenze. Richtig amüsant, geradezu lachhaft, ist allerdings die Vorstellung, dass es Menschen geben soll, und höchstwahrscheinlich sogar gibt, die mit diesem faden Klamauk ihren Samstagabend vorsätzlich totschlagen. Der Gedanke daran hat mich immerhin davon abgehalten, sofort umzuschalten. Weltklasse im Abseits eben.

Montag, 9. Juli 2007

Aus der Bär!

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass ein Ende der scheinbar jedes Frühjahr in Deutschlands Medien stattfindenden Bärenplage in Sicht ist: Knut wird ab sofort nicht mehr gemeinsam mit seinem Pfleger im Zoo auftreten. Die Gründe hierfür sind eigentlich so klar wie die Eiskristalle am Nordpol, denn der Bär, der wohlgemerkt ein Raub- und kein Kuscheltier ist, steckt mitten im Wachstumsprozess und wird dementsprechend seinen Betreuer binnen kürzester Zeit überholen beziehungsweise sogar überrunden - zumindest auf die Körperkraft bezogen.
Deshalb ist es auch alles andere als eiskristallklar, warum nun "Knut-Fans" empört auf das Ende der "Knut-Show" reagieren, denn schließlich heißt der für die Petzhege Verantwortliche Thomas und nicht Daniel, dessen Trick bekanntlich ja auch nur in Löwen- und nicht Bärengruben funktioniert. Interessanterweise berichtet allerdings alleine die Bild - das inoffizielle Sprachrohr des ursus maritimus - über echauffierte Besucher, andernorts, etwa vor dem Spiegel oder auf dem Stern weiß man von diesen nämlich nichts.
Wo also kommen sie her, jene dämlichen Anhänger des Bärenkultes, die sich darüber aufregen, dass sich nur zu ihrer Belustigung ein Mensch nicht bewusst in Lebensgefahr begibt und sich in einen Bärenkäfig setzt? Allem Anschein nach müssen sich diese doch dann aus der Bild-Leserschaft wenn nicht gleich direkt aus der dortigen Redaktion rekrutieren.

Samstag, 2. Juni 2007

Schlag in die Nieren

De Grote Donorshow hat gestern Abend alle vorgeführt: Politiker, Medien und Blogger - aber irgendwie auch die Kranken.
Zugegeben, der Schachzug, mit dem die Macher der Sendung die Organspendeproblematik in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt haben, verdient auf alle Fälle Anerkennung. Bedenklich wird es allerdings, wenn man die Rolle der angeblich todkranken Spenderin betrachtet: Das Leiden von - wie in diesem Falle - Menschen mit einem Gehirntumor kann nicht mal eben einfach wegtransplantiert werden, und man muss sich die Frage stellen, ob hier nicht ein Bild des unheilbar Kranken geschaffen wird, dessen einziger Lebenszweck darin besteht, als menschliches Ersatzteillager zu dienen. Genau dies ist zum Beispiel eines der Argumente der Organspendegegner: die Konzentration bei der Behandlung Schwerstkranker richte sich in nicht wenigen Fällen nur zweitrangig auf deren Genesung, als primär auf die Verpflanzung ihrer noch intakten Organe.
Die Welle der Aufmerksamkeit welche durch De Grote Donorshow losgetreten wurde ist mit Sicherheit begrüßenswert, sollte sie sich jedoch als Strohfeuer entpuppen, wird sie wohl gerade das Gegenteil erzielen: eine verringerte öffentliche Bereitschaft sich mit der Spenderthematik auseinanderzusetzen und somit eine schwindende Hoffnung bei den tatsächlich Bedürftigen.
Das Anliegen des niederländischen Senders BNN in allen Ehren, aber das Lob, mit welchem er nun überhäuft wird, müsste zu einem großen Teil auch anderen Kanälen gebühren, die anstelle ihren Zuschauern Vollidioten in Wohncontainern zu präsentieren in zahlreichen Reportagen und Gesprächsrunden immer wieder auf tatsächliche Probleme hinweisen: Die Erkenntnis nämlich, dass es sich bei der Organspende um keinen unproblematischen Bereich handelt, rührt nicht erst von der gestrigen Donorshow.
Aus ihr lassen sich jedoch zwei weitaus interessantere Schlüsse ziehen: zum ersten hat die TV-Kultur mittlerweile ein Stadium erreicht, in welchem Otto Noch-Normal-Denker tatsächlich davon ausgehen muss, dass Live-Organspenden nicht mehr länger nur noch in zweitklassigen Science Fiction-Romanen auftreten können, und zweitens scheint die Gesellschaft mittlerweile derart abgestumpft, dass sie nur noch über eine Freitag Abend-Show für die Problematiken des Lebens zu erreichen ist.

Dienstag, 22. Mai 2007

Galgenhumor?

Zugegeben, es gibt weitaus subtilere Mittel Kritik an der Bild-Zeitung zu üben, als einen Brandsatz nach dem - vor allem auch noch - Privatwagen des Chefredakteurs zu werfen. Allerdings sind Herr Diekmann, sein Blatt und ihre Auffassung von Journalismus auch nur bedingt als die Meister des Unterschwelligen bekannt, und so mancher - wenn auch verbale - Molotowcocktail hat in der Vergangenheit die Redaktion der Bilderbuch-Boulevardzeitung verlassen. Der oder die Täter könnten demnach befürchtet haben, dass eine andere Form der Unmutsbekundung erst gar nicht wahrgenommen worden wäre.
Unter Umständen jedoch mag dieses Ereignis durchaus Positives bewirkt haben, nämlich eine ganz neue Selbstironie im Hause Springer; zumindest wurde das so genannte Girl von Seite 1 heute mit den Worten "Ich bin Feuer & Flamme" auf der Homepage der Bild-Zeitung angepriesen. Möglicherweise ist dies aber auch nur ein Beleg dafür, dass die linke Hand einmal mehr nicht wusste, was die Rechte macht.

Dienstag, 15. Mai 2007

Idiot mit im Boot

Nicht etwa auf dem T-Boot, sondern an Bord des Rundfunkanstalten-Dampfers ARD fährt ab Oktober Niedrig-Niveau in Person des Media Markt-Reklameblödels Oliver Pocher mit.
Als ob das nicht schon genug wäre, stellt man das Klappbett des Vollidioten, der jüngst die Hauptrolle in einem gleichnamigen Kinofilm spielte, ausgerechnet in der Kabine des VIP-Passagiers Harald Schmidt auf, dessen abendliches Unterhaltungsprogramm in der Lounge des Kreuzfahrtschiffes fortan an auch den Titel "Schmidt & Pocher" tragen soll.
Die Presse jedenfalls ist bereits jetzt schon voll des Lobes, so titelte etwa Spiegel-Online "Harald Schmidt goes Aldi" - ein Vergleich, den die beiden Lebensmittelkonzerne der Albrecht-Brüder nicht unbedingt verdient haben.
Ob der neue Leichtmatrose tatsächlich das angelaufene Quotendeck wieder blank schrubben kann bleibt zwar abzusehen, wahrscheinlicher ist jedoch, dass die schlagseitige Dirty Harry-Revue vollends kentert - hoffentlich geht dabei auch der Klabauter-Proll über die Planken.