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Samstag, 9. Januar 2010

Das tolldreiste Schneiderlein

Wenn ich so etwas lesen muss, werden unweigerlich Kindheitserinnerungen wach. Schon damals konnte ich nur mit Kopfschütteln auf die Fernsehbilder reagieren, auf denen ganze LKW-Ladungen voller Tomaten aus Gründen der Markt- oder Machtstabilisierung ins Meer gekippt wurden. Aber wer weiß, vielleicht hat es ja auch etwas Gutes, dass sich selbst in unserer schnelllebigen Zeit manche Dinge nicht ändern. Welche genau, konnte ich bislang allerdings noch nicht ergründen.

Montag, 9. Juni 2008

Geschmackloser als Bigos

Auch ohne das polnische Nationalgericht jemals probiert zu haben, wage ich behaupten zu können, dass Nachgetreten!, die lustige ZDF-Comedy-Show, moderiert vom nicht minder lustigen Lück und seinen noch weitaus lustigeren Gästen, meine Geschmacksknospen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weniger zu stimulieren vermag, als die Mische aus Kraut, Kohl und Dürrpflaumen von jenseits der Oder.
Sicherlich ist es eine hervorragende Idee mittels Untertiteln auch den deutschen Fernsehzuschauern den Text der polnische Nationalhymne näher zu bringen, es ist allerdings auch ein Fakt wie der Boulevard aus dem östlichen Nachbarland, dass die Aussage "wir (die Polen, Anm. Jean-Paul) schießen ab Minute 5:45 zurück", vielleicht der polnischen Journaille zu Gesicht stehen mag, nicht aber dem zweiten deutschen Fernsehen (welches mit monatlich 17,03 € zu Buche schlägt, Anm. Jean-Paul).
Dieses schien die Berichterstattung rund um das Länderspiel ohnehin relativ schmerzbefreit anzugehen, stilisierte doch Johannes Bigos (geschmackloser als, Anm. Jean-Paul) Kerner die 140 in Klagenfurt festgenommenen Neonazis zu 100 Fußballhooligans beziehungsweise den in diesem Zusammenhang gerne in Anführungszeichen genannten Fans herunter.

Samstag, 17. November 2007

Flugachse

Was genau führt eigentlich die Lufthansa im Schilde? Statt eines blauen etwa bald einen braunen, den Reichskranich? Natürlich sind feindliche Übernahmen und friedvolle Fusionen heutzutage längst an der Tagesordnung, Beteiligungen, wie etwa die derzeit von den in Frankfurt am Main beheimateten Flattermännern in Erwägung gezogene an der Alitalia, eigentlich nicht einmal mehr der Erwähnung wert. Aber muss es nach dem jüngsten Streit um Überflugrechte mit Russland ausgerechnet eine deutsch-italienische Kooperation sein? Also echt.

Donnerstag, 20. September 2007

Telefonterroristen

Während des letzten Eintrags in dieses Weblog klingelte das Telefon: Es war wieder einmal eine dieser computergenerierten Stimmen, die mir mitteilte, dass ich... keine Ahnung was, denn der Zeigefinger drückt in diesen Fällen schneller als der eigene Schatten den Knopf mit dem Symbol 'Hörer auflegen'. Ordentlich erbost über diesen Vorfall grübelte ich lange, ob ein entsprechender Vermerk im Logbuch des T-Boots nicht längst überfällig sei, denn Anrufe dieser Art häufen sich seit geraumer Zeit in einer erschreckenden Zahl. Wegen Geringfügigkeit stellte ich dieses Vorhaben dann aber doch zurück, bis vor fünf Minuten wieder einmal mein Fernsprecher bimmelte: "Guten Tag, hier ist Angelika Maier von Ihrem Gewinn-Service..."
Zum Glück, liebe Angelika, sind Deine Erschaffer clever genug, ihre Rufnummer zu unterdrücken, aber irgendwann, da bin ich mir sicher, wird auch dieses Geheimnis gelüftet werden. Die daraufhin zwangsläufig folgende Sammelklage wird wahrscheinlich auch mehr Unterzeichner haben, als Du an deinen digital-fiktiven Fingerchen wirst abzählen können und, soviel kann ich jetzt schon garantieren, ein Name wird in keinem Fall auf dieser Liste fehlen: Jean-Paul Téddôt, dreimal mit Rotstift unterstrichen und gelbem Textmarker hervorgehoben.

Mittwoch, 19. September 2007

Die Tele-Null

Es gibt gewisse Zeitspannen, die je nach Gusto zu Urlaub oder Ferien deklariert werden können und welche man dementsprechend gerne mal dazu verwendet, um bis in die Puppen in den Federn zu liegen. Obwohl ich mich derzeit innerhalb eines solchen Abschnitts befinde, bin ich aufgrund gewisser Verpflichtungen dennoch dazu genötigt, meinem digitalen Zeitmesser allmorgendlich um 8.00 Uhr den Weckruf zu genehmigen. Zum Glück für den freundlichen Call-Center-Mitarbeiter, der sich heute gegen 8.15 Uhr mit mir in Verbindung setzte, war ich also bereits wach, denn ansonsten hätte das Telefonat wohl eine ganz andere Richtung eingeschlagen - sowohl den Inhalt als auch den Tonfall betreffend.
So jedoch wurde das Gespräch kurz und sachlich geführt, meine drei knappen Antworten "Nein", "Anbieter X" und "Voll und ganz" folgten in der Reihenfolge auf das freudige "Sie haben doch sicher einen Anschluss der Telekom?", das etwas resignierte "Darf man fragen bei welchem Anbieter sie dann sind?" und schließlich auf ein völlig klein beigebendes "Dann sind sie sicher zufrieden?"
Liebe Leute von der Tele2, wie um alles in der Leitung wollt Ihr denn auf diesem Wege neue Kunden gewinnen? Menschen, die einer geregelten Tätigkeit nachgehen, befinden sich zu dieser Uhrzeit doch längst nicht mehr im Haus, und Studenten und anderes arbeitsscheues Gesindel vergrämt man allerhöchstens mit einem Anruf zu dieser unchristlichen Zeit. Selbst Obermanns Schergen klopfen frühestens am Vormittag an, was vielleicht auch ein Grund dafür sein mag, dass Ihr immer noch nur die - wenn auch selbsternannte- Nummer zwei im Tele-Business seid. Nach der misslungenen Aktion von heute morgen würde ich allerdings eher zu Tele0 tendieren.

Montag, 6. August 2007

Seitensprung

Fremdfahren, also das T-Boot mit der D-Bahn vertauschen, hat sich bisher noch jedes Mal gerächt. Stolze 31 Euro verlangt Mehdorns jecke Truppe mittlerweile für eine gerade mal 150 Kilometer lange Strecke, aber weil es sich hierbei um zweifelsohne eine der schönsten Bahnlinien Europas handelt, die Loreley passierend am Mittelrhein entlang, war ich dann doch bereit, diesen Betrag zu berappen - zumal im Gegensatz zum Regionalverkehr im Intercity immerhin noch die Aussicht auf ein Raucherabteil und halbwegs kultivierte Reisegäste besteht.
Naja, immerhin durfte man tatsächlich rauchen. Und wer sich nicht an von Akne heimgesuchten Satansjüngern, deren Blicke diesen latenten Hauch von Kannibalismus verströmen, oder achtjährigen, Bonbons feilbietenden Blagen stört, die einen regelrecht zum Vortäuschen von Schlaf zwingen, dürfte auch keine Probleme mit seinen Mitreisenden gehabt haben. Das Gleis des Anstosses war diesmal vielmehr die Umgebung, die als Intercity getarnte rollende Müllkippe, für welche man doch tatsächlich 60 Mark und 63 Pfennige Eintritt bezahlt hatte.
Die gegenüberliegende Sitzgruppe etwa war mit grob geschätzt einer halben Kiste Bier in Form von Leergut äußerst kreativ drapiert, hinzu gesellte sich die restliche Deko aus fleckigen, zerfledderten Zeitschriften, Lebensmittelverpackungen die nicht nur allein durch ihre Beschriftung Auskunft über den vormaligen Inhalt gaben und noch ganz arg viel mehr Flaschen, Dosen, Tetrapaks.
Während ich nun abwägte, wer meines Zornes würdiger wäre, die Dreckschweine die vor mir in diesem Abteil mitgefahren waren, oder das stinkfaule Bahnpersonal, welches wer weiß wie oft, unverrichteter Dinge entlang dieser Deponie inmitten des von der UNESCO geschützten oberen Mittelrheintals flanierte, rollte zu meinen Füßen dieser angebissene Apfel vorbei...
Obwohl er Sir Isaac Newton hierzu auf den Kopf gefallen war, weckte er jedoch auch in mir die Erkenntnis: In Zeiten des Dosenpfands kann man sich mit dieser Menge Leergut natürlich ein stattliches Taschengeld hinzuverdienen, und bei der erlesenen Kollektion in diesem Wagon konnte es sich um nichts anderes als ein stillschweigendes Abkommen mit Mehdorn höchstpersönlich handeln, der offensichtlich von den Passagieren auf diese Weise - am Fiskus vorbei - seine angekündigten Fahrpreiserhöhungen direkt in die eigene Tasche gesteckt bekommen soll.
Wahrscheinlich wartete er mit seinem gelben Sack schon händereibend am Zielbahnhof in Stuttgart, überlegte ich mir noch, während ich dem Häuptling aller Dampfrösser sogar eine persönliche Widmung auf das Etikett meiner leeren Flasche kritzelte: Aber nicht alles auf einmal ausgeben!

Donnerstag, 26. Juli 2007

Blinde Passagiere

In vielen anderen Blogs wurde dieses Thema bereits angesprochen: Die Divergenz zwischen Lesern und abgegebenen Kommentaren steht in keinem Verhältnis zueinander. Wo andere Blogger deswegen lamentieren, bleibt man auf dem T-Boot jedoch gelassen, denn das (T)raumschiff hält auch ohne Kommentator im Tank seinen Kurs. Weitaus bedenklicher ist jedoch die Anzahl "blinder Passagiere", die Summe der Besucher also, deren Verweildauer auf den Seiten des Weblogs exakt null Sekunden beträgt - ja Freunde, man kann diese Art Informationen einsehen, und sogar noch vieles mehr: Eure Betriebssysteme und Browser, Kreditkartennummern, Traumberufe und Body-Mass-Indices.
Dass man sich ab und an auf Seiten verirrt, deren Sprachen man nicht mächtig ist, okay. Dass man via Suchmaschine hin und wieder Pages öffnet, die so rein gar nichts mit dem Gesuchten zu tun haben, auch in Ordnung. Und dass es natürlich Blogs gibt, die man einfach nur völlig daneben findet, ist ebenfalls klar. Aber wie um alles in der Welt erkennt man dies innerhalb von null Sekunden? Lest Euch doch wenigstens einen Beitrag durch. Oder tut zumindest so als ob.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Alle Jahre wieder

Halbzeit in Sachen Weihnachten: In sechs Monaten steht bereits das Christkind wieder vor der Tür, für den Verkaufssender QVC Grund genug bereits jetzt die ersten Lichterketten an den weihnachtswütigen Mann zu bringen. Alle Jahre wieder findet aber auch noch eine endlos lange Latte anderer Veranstaltungen statt, so etwa die Tour de France. Und wie Familienessen, Bescherung und Kirchgang an Heiligabend, wiederholen sich auch die Ereignisse rund um die große Radrundfahrt alljährlich: Man nimmt den Drahteselwettlauf frühestens ab der dritten Etappe, dem durchschnittlichen Zeitpunkt des ersten Dopingskandals, wahr, danach werden reihum sämtliche Fahrer disqualifiziert bis schließlich am Ende derjenige gewinnt, der das kompetenteste Pharma-Unternehmen im Rücken oder den fähigsten Teamarzt an seiner Seite hat.
Warum die Öffentlich-Rechtlichen ausgerechnet in diesem Jahr den Aufstand proben und den Quotenknüller Fear and Loathing 'round La France kurzerhand abgesetzt haben bleibt ein Rätsel, immerhin ist es doch hinlänglich bekannt, dass ausnahmslos jeder im Teilnehmerfeld bis zum Kragen mit Aufputschmitteln voll gefressen ist. Die Lösung des Problems, also das Entwirren der verbogenen Speichen, liegt auch nicht darin, den Radlertreff im Nachbarland einfach zu ignorieren - die Kollegen von den Privaten lechzen geradezu nach den Senderechten und die zugedröhnten Flitzer schlucken weiter munter alles was ihnen vors Rad läuft: Pillen, Fliegen und unvorsichtige Zuschauer.
Es bringt also herzlich wenig, den schwarzen Vinokourov oder Sinkewitz einfach weiterzugeben, man sollte vielmehr den Fuß vom Gas nehmen respektive nicht mehr ganz so doll in die Pedale treten und dafür sorgen, dass derartige Sportveranstaltungen auch ohne die Einnahme von fremdem Blut oder anderer nicht aus dem eigenen Körper stammenden körpereigener Substanzen zu meistern sind. Notfalls muss man eben über einen alternativen Austragungsort nachdenken: Luxemburg ließe sich zum Beispiel ohne Anstrengung und Doping innerhalb eines Tages umrunden, auf der Heimfahrt könnte man obendrein noch billig ein paar Stangen Kippen auf den Gepäckträger schnallen.

Montag, 25. Juni 2007

Aspirin statt Frolic

Aus dem Greenpeace Magazin 4.07:

"2.412.678 Versuchstiere starben 2005 in deutschen Labors. Das ist ein erneuter Anstieg um 6,5 Prozent."

Die Tatsache, dass es scheinbar nach wie vor nicht ohne Tierversuche geht, dabei zweieinhalb Millionen Lebewesen den Tod finden, also zweieinhalb Millionen Mal der makabere Tauschhandel fremdes gegen eigenes Leben vollzogen wird, ist schon schlimm genug. Weitaus erschreckender ist jedoch diese Zunahme um sechseinhalb Prozent, denn obwohl Tierversuche seit Jahrzehnten in stetig wachsender Kritik stehen, erfreut sich der kostengünstige animalische Rohstoff dabei auch noch eines zunehmenden Verbrauchs.
Wenn die Forschung nun schon nicht dazu in der Lage ist, alternative Experimente durchzuführen, ist es dann nicht wenigstens möglich, immerhin etwas sorgsamer mit dem zum Wohle der Menschheit geopferten tierischen Leben umzugehen? Wie effizient ist die Forschung überhaupt, wenn sie Leben wie etwa billigen Sprit aus der luxemburgischen Tankoase verheizt?
Forschung ist, wie die forschenden Pharma-Unternehmen gerne in ihren Fernsehwerbespots erzählen, die beste Medizin. Aber wer führt diese Versuche durch, denen immer mehr Lebewesen zum Opfer fallen müssen? Überforderte Praktikanten oder Ein-Euro-Jobber?

Donnerstag, 31. Mai 2007

Nicht mal Kaas im Kopp

Dass wir unserem kleinen, oranje-farbenen Nachbarland in puncto "TV-Formate, auf die die Welt gewartet hat", nicht einmal annähernd das Wasser reichen können, dürfte spätestens seit der Großen-Brüder-Spanner-Show, bei welcher einige der bemitleidenswerteren Exemplare der Spezies Homo Sapiens zu Beobachtungszwecken in einen Wohncontainer gepfercht wurden, hinlänglich bekannt sein.
Nun soll in Frau Antjes Heimat der nächste Knaller anlaufen, De Grote Donorshow; zu deutsch die große Spendershow. Wer jetzt denkt, dass hier geneigte Gönner großzügig ihre Barschaften unterm Volk verteilen hat sich allerdings getäuscht, denn gespendet werden sollen menschliche Organe, genauer die Niere einer todkranken Frau, welche einem von drei Kandidaten vermacht werden soll.
Man mag Organspenden zwar - und nicht zu Unrecht - kritisch gegenüber stehen, dass sie durchaus eine lebensrettende Maßnahme darstellen, dürfte unbestreitbar sein. Dass allerdings wie in De Grote Donorshow letztendlich die Fernsehzuschauer via SMS darüber entscheiden sollen, wer nun die Niere erhält und sich somit unter Umständen zu den Herren über Leben und Tod aufschwingen, öffnet, auch wenn die Ergötzung am Leid anderer Menschen seit jeher einen der größten Unterhaltungsfaktoren darstellt, die Pforten zu ganz neuen, makaberen TV-Dimensionen, welche an Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten sind.
Man muss jedoch auch Nachsicht mit der Produktionsfirma Endemol üben, denn die Organspende scheint eine lange Tradition in diesem Hause zu haben: von der im Schädelknochen eingebetteten grauen Substanz hat man in der Vergangenheit wohl so einige Kilogramm abgeben.

Montag, 21. Mai 2007

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten...

Soeben erhielt ich einen Anruf aus der Bonner Kabelbude. Eine Mitarbeiterin von Herrn Obermann wollte von mir wissen, ob ich in jüngster Zeit eine "Tarifumstellung" vorgenommen hätte. Das hatte ich zumindest verstanden, und weil ich mir dessen nicht gänzlich sicher war, bat ich mit den Worten Ich soll was getan haben? indirekt darum, das Gesagte noch einmal zu wiederholen. Da ich seit mittlerweile über zwei Jahren nicht mehr zum Kundenkreis der Tele-Komiker gehöre, war ich zwar etwas verwundert, freute mich insgeheim aber schon auf ein kurioses und - zumindest für mich - spaßiges Telefonat, welches von meiner Gesprächspartnerin jedoch plötzlich und unerwartet mittels Auflegen des Hörers beendet wurde.
Sind dem Obermann'schen Sparkurs nun auch schon die internen Telefonanlagen zum Opfer gefallen, und qualitativ dermaßen minderwertig, dass sie von Zeit zu Zeit den Dienst verweigern, oder verdrießt das Telefon-Terror-Netzwerk systematisch seine ehemaligen Kunden? Und überhaupt, wieso werde ich angerufen, wenn die doch eigentlich streiken sollten?