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Samstag, 16. Februar 2008

Die U-Frage

Was ist der Unterschied zwischen Jean-Paul Téddôt und Klaus Zumwinkel? Ganz einfach: während das T-Boot nach beinahe halbmonatigem Tauchgang wieder an der Oberfläche der Blogosphäre erscheint, hat sich der ehemalige Post-Primus endgültig als untragbar (oder sollte man besser sagen unzustellbar?) erwiesen. Eine durchaus nachvollziehbar Entwicklung, denn während sich Jean-Paul Téddôt in der Zwischenzeit mit John Stuart Mills Utilitarismus und somit der Theorie befasst hat, dass die Förderung des allgemeinen gegenüber der des individuellen Glücks absoluten Vorrang genießt, hat der einst erste Briefträger im Land Millionen Euro (und das auch noch in Briefmarken!) an Steuern hinterzogen. Um Glück zu erreichen, so Mill weiter, ist es unabdingbar die Lust zu befriedigen beziehungsweise die Unlust abzuwenden. Dementsprechend ist alles, was zum Lustgewinn beiträgt nützlich - daher auch die Bezeichnung Utilitarismus. Während Zumwinkels Machenschaften nun weder lustvoll noch lustig sind, gelingt es M. Téddôt mit seinem neusten Eintrag immerhin einen seiner dreieinhalb Stammleser zu unterhalten, und nebenbei den Beweise zu führen, dass auch dröge Moraltheorien eine praktische Entsprechung finden können.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Glückstag

Irgendwo hatte ich das Stück im (relativ) neuen Werbespot der Deutschen Bahn schon einmal gehört. Und richtig, nach kurzer Überlegung erinnerte ich mich wieder: Der Quiz-Sender 9Live hatte "Lucky Day" vor einiger Zeit ebenfalls für seine TV-Reklame verwendet. Warum die Marktschreier der Gleischaoten ausgerechnet eine Corporate Identity mit dem Fernsehsender angestrebt haben, der seinen Zuschauern für das Überwinden intellektueller Hürden der Güteklasse "Nennen Sie ein Tier mit vier Buchstaben, das mit E beginnt" eine Teilnahmegebühr in Höhe von 49 Cent in Rechnung stellt, bleibt wohl auf immer ihr Geheimnis. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Art Revierkampf, wer denn nun der wahre Abzockerkönig, und wer eben nur ein popeliger Beutelschneider ist - dass Lukas, Jim Knopf und Co. nicht nur die paar GEMA-Gebühren für das muntere Musikstückchen berappt haben, sondern obendrein gleich noch den Barden Sasha - der im Spot zum Glück namentlich vorgestellt wird, da zumindest ich diesen jungen Mann nicht erkannt hätte - engagierten, rücken diesen Verdacht zumindest nicht völlig aus der Welt.
In welcher Beziehung der Förderverein für Spielsucht indes zum so genannten "Lucky Day" steht, ist klar: Wer nach 150 Mal Wahlwiederholung tatsächlich eine menschliche Stimme am anderen Ende der Leitung vernimmt, kann mit den gewonnenen 50 Euro immerhin einen Teil des ausschließlich zu diesem Zwecke angehäuften Gebührenberges abtragen. Wie der Glückstag bei den Fuhrmännern der rollenden Nichtraucher-Blechcontainer aussieht bleibt aber irgendwie schleierhaft, obwohl deren Fahrgäste diesbezüglich mit Sicherheit ganz konkrete Vorstellungen haben dürften. Die passen aber wohl besser zum Sankt-Nimmerleinstag.

Sonntag, 8. Juli 2007

Komm, wir spielen Kühlungsborn

Kein Problem, denn mit dem neuen "Police-Boot"-Set von Playmobil lässt sich die Verfolgungsjagd vom G8-Gipfel in Heiligendamm perfekt nachspielen - der zugehörige Werbespot macht vor wie's geht: ein Hi-Tech-Polizeischiff, bei welchem selbst Sonny Crockett und Rico Tubbs vor Neid erblassen würden, stoppt beziehungsweise überrollt ein Schlauchboot mit menschlichen Insassen. Ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie man Kindern auf spielerische Weise die Welt erklären kann.
Beim nächsten Mal nimmst Du aber die doofen Öko-Terroristen.

Donnerstag, 14. Juni 2007

Nastrovzy und Salutin

Treffen der anonymen Alkoholiker in Heiligendamm: während Georg II., König der vereinten Überseekolonien Frankreichs und Großbritanniens, sich schon von seinem Stab wegen Kopfschmerzen und Unwohlsein entschuldigen ließ - bezeichnenderweise nachdem am Abend zuvor bereits die Bilder einer geselligen Runde in alle Welt ausgestrahlt wurden, die das Staatsoberhaupt unter anderem bei dem Versuch zeigten, sich ein Glas Bier einzuschenken - sorgt nun ein weiterer Teilnehmer des internationalen Forums für Anti-Abstinenzler für Furore: der neo-napoleonische Nicolas Sarkozy.
Stein des Anstoßes ist die Aufnahme einer Pressekonferenz während des G8-Gipfels, die Sarkozy in nur bedingt regierungsfähigem Zustand zeigt, nachdem er mit halbstündiger Verspätung von einem Vieraugengespräch mit ausgerechnet Sufflands Präsidenten Vladimir Putin zurückgekehrt war. Haben sich die beiden nun also hinter verschlossenen Türen tatsächlich das eine oder andere Gläschen genehmigt oder hat der ehemalige KGB-Agent gar geheimdienstliche Kniffe angewandt um den eigentlich als Kämpfer für Anstand und Moral bekannten Franzosen vor den anwesenden Journalisten zu düpieren?
Fragen, die unter anderem in belgischen oder deutschen Medien diskutiert werden - in Frankreich hingegen hält man sich dezent zurück, denn Sarko ist für seinen nicht gerade zimperlichen Umgang mit der Presse bekannt.
Aber auch das eint ihn neben der Trinkfreudigkeit mit dem Despoten von der Moskwa und genau das könnte ja auch der Anlass dazu gewesen sein, gleich mehrfach mit Kartoffelschnaps auf Brüderschaft anzustoßen.

Dienstag, 12. Juni 2007

Wer hat an der Uhr gedreht?

Was hängt an der Wand und macht ticktack? Richtig. Was hing an Bushs Hand und machte ticktack? Genau. Der erste Staatsbesuch eines US-Präsidenten in Albanien könnte zugleich auch der letzte gewesen sein, denn das Ereignis, welches sich am Sonntag in der Hauptstadt Tirana zugetragen hat, dürfte mit Sicherheit in den Reiseführer staatsbesuchender Politiker aufgenommen werden: während George W. Bush das Bad in der Menge genoss - treffender wäre, sich wie der Messias feiern ließ - nutzte einer der Anwesenden die Gunst der Stunde und bemächtigte sich der Armbanduhr des amerikanischen Gastes. Obwohl Hersteller und Modell nicht bekannt sind, lässt sich beim Zeitmesser eines Präsidenten davon ausgehen, dass dem Dieb mit Sicherheit ein guter Fang geglückt ist. Obendrein muss man, bei aller bloggerischen Objektivität, auch den an einem der wohl bestbewachten Männer der Welt durchgeführten Diebstahl würdigen; Arsène Lupin würde vor Neid erblassen.

P.S. Liebe Albaner, es ist gut zu wissen, dass es dort draußen noch ein Land gibt, in dem ein gesunde, konstruktiv-kritische Haltung zu den USA existiert. Die symbolische Geste der globalen Umverteilung - anders kann der Vorfall doch nicht gedeutet werden, oder? - verdient in der Tat Anerkennung. Solltet Ihr jedoch in den nächsten Tagen zwischen Nordkorea und dem Iran auf der Liste der Schurkenstaaten auftauchen, braucht Ihr Euch nicht zu wundern.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Ja, wo schwimmen die denn?

Allem Anschein nach davon, die Felle des René Obermann, seines Zeichens Chef von Europas größtem Call Shop mit Sitz in Bonn. Besagter Herr hat nämlich, um die meuternde Mitarbeiterschaft milde zu stimmen, einen Gehaltsverzicht der Vorstände und Manager angeboten - und damit es sich auch lohnt, sogar für ganze zwei Monate.
Erleben wir hier nun die lang ersehnten positiven Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus'? Den ersten Top-Manager, der ausnahmsweise mal den eigenen Gürtel enger schnallt?
Oder sind wir Beobachter eines raffinierten Schachzuges zur Arbeitsplatzsicherung? Schließlich ist Herr Obermann erst seit November letzten Jahres Vorstandsvorsitzender der Kabelbude und müsste dementsprechend schon noch ein Weilchen durchhalten, um all seine Schäfchen ins Trockene zu bringen - reichen doch sechs Monate gerade mal für ein mageres Lämmlein.
Vielleicht hat auch endlich die Einsicht Einzug gehalten, dass selbst der Platz auf dem Chefsessel jederzeit neu besetzt werden kann. Denn jemanden aufzutreiben, der für eine fürstliche Vergütung mal eben die halbe Belegschaft entlässt, um sich dann als großer Firmensanierer feiern zu lassen, dürfte eigentlich an jeder Straßenecke möglich sein. Eine akademische oder sonstige Berufsausbildung ist hierzu nicht einmal vonnöten; und 99% der Bewerber wären darüber hinaus auch noch billiger als beispielsweise ein Herr Obermann.

Donnerstag, 26. April 2007

Die stärkste Waffe eines Menschen...

...ist seine Stimme. Diese Botschaft wurde mir heute via Fernsehgerät von der BILD vermittelt. Gut zu wissen, dachte ich und nahm mir vor, diese neue, biologische Waffe bei nächster Gelegenheit gleich mal auszuprobieren. Und was eignet sich hierzu schon besser als eine seit fast 30 Jahren bewährte Parole? Also:

HAUT DER SPRINGERPRESSE AUF DIE FRESSE!

Nichts für ungut, ich versuche doch lediglich Meinungen zu BILDen.