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Mittwoch, 28. Oktober 2009

Bravo, Hurra Deutschland!

Nach langer Abstinenz ist die beliebte Politsatire nun wieder auf Sendung. Der Clou: für die nächste Staffel, die ganze vier Jahre laufen soll, wurden diesmal echte Schauspieler engagiert, die vor einer dem Bundestag verblüffend ähnlichen Kulisse auftreten.

Lord of the taxIDs

Irgendwie ist mir nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass ausgerechnet Wolfgang Schäuble der neue Herr über die Steueridentifikationsnummern sein soll.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Schwarz-gelb ist die taube Nuss

Diese Coverversion des ideologisch umstrittenen Volksliedes, das in der Heino-Interpretation vermutlich seinen (traurigen) Höhepunkt erlebt hat, bleibt uns - zumindest vorerst - wohl erspart, denn die neue Bundesregierung plant zehnstellige Mehrausgaben im Bereich Bildung zu tätigen.
Prima, denn bei den kolportierten drei Milliarden dürften sicher auch die etwa 75 € übrig sein, die ein Volkshochschulkurs English A1 für den designierten Außenminister kosten würde.

Freitag, 30. Januar 2009

Tour: Oettinger baut Vorsprung aus

Günther Oettinger, derzeit Führender im Gesamtklassement der Tour de Fettnapf, konnte erneut das gelbe Trikot verteidigen. Auf der relativ leichten Etappe vom Neujahrsempfang der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg bis zur SAP-Bekanntgabe, 3000 Stellen zu streichen, gelang es dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten mühelos das Verfolgerfeld auf Distanz zu halten. Obwohl Oettinger, wie den anderen Teilnehmern auch, noch die Dopingkontrolle durch die BaFin bevorsteht - geprüft werden sollen unter anderem der Verstoß gegen die Ad-hoc-Pflicht und die Verwendung des verbotenen Mittels Insiderhandel -, zweifelt kaum noch jemand daran, dass nach dem Karriereende des Amerikaners Bush, der die Tour acht Jahre in Folge gewinnen konnte, der nächste Sieger aus Schwaben kommt.

Montag, 27. Oktober 2008

Zieh dich aus, du alte Hippe!

Nein, am Flughafen, so viel steht seit vergangenem Freitag fest, wird man auch in Zukunft nicht mit den Worten Helge Schneiders begrüßt werden, denn die Bundesregierung - und ausgerechnet Wolfgang Schäuble, der vor Jahr und Tag noch lautstark nach der Vorratsdatenspeicherung und andere Ferkeleien gegrunzt hatte - hat versichert, dass Ganzkörperscanner im Rahmen der Luffahrtsicherung nicht zum Zuge (was den Eisenbahnerclub Mehdorn '94 selbstverständlich nicht ausschließt - man darf also gespannt sein) kommen werden. Dies muss natürlich - um eine wundervolle Verknüpfung zu einem ganz anderen aktuellen Thema herzustellen - nicht bedeuten, dass es von nun an keine Perspektiven mehr für TV-Delikatessen wie "Scan-Scan - Das Nacktquiz" geben würde, bei welchem die Kandidaten die Schwarz-Weiß-Akte von A-, B-, C-, ach was, D-Prominenten erraten müssen, um nebst einem Kreuzfahrtgutschein drei Geldpakete gewinnen zu können.
Ein Sender für dieses unglaublich innovative Fernsehformat steht freilich noch nicht nicht fest, aber 3sat oder arte, die gerade jetzt, in der Post-Reich-Ranicki-Ära, um jeden Zuschauer kämpfen müssen, wären mehr als prädestiniert. Die Moderation ist mit der neuerdings arbeitsuchenden Elke Heidenreich so gut wie gesichert, die hierfür in einem Jahr sogar höchstwahrscheinlich den Deutschen Fernsehpreis erhalten würde - auch wenn sie dann bei der Dankesrede vom für sein Lebenswerk ebenfalls ausgezeichneten Oliver Pocher eine gewaltige Schelte kassieren dürfte: "Boah ey, Kultur is' jetzt echt ma' nur was für Leute, die wo nich' wissen, wie die Fernbedienung funktionieren tut!"

Mittwoch, 7. Mai 2008

Neokalorienzähler

Obwohl der Anti-Diät-Tag, eine Initiative gegen den Schlankheitswahn, gegen skurrile Hungerkuren und ungesundes Fasten, nun zum insgesamt siebzehnten Mal stattgefunden hat, war die mediale Aufmerksamkeit zumindest hierzulande bislang relativ gering. Seit gestern aber ist die Protestaktion wider die Magersucht um einen gewichtigen Fürsprecher reicher: die Bundesregierung.
Getreu den Mottos "Dreck macht Speck" und "Kohl is beautiful" verordnete die schwarz-rote Koalition den Abgeordneten einen Schlemmerkurs, welcher vorsieht, dass die Mitglieder des Bundestags anstelle der bislang 700,9 spätestens im Jahr 2010 ganze 815,9 Kilocent pro Monat vertilgen sollen.
Zwar war abzusehen, dass die Hungerhaken von der Opposition Sturm gegen diese Politikermast laufen, ihre Angst jedoch, Beckschwarte und Spanmerkel könnten sich durch ihre Pfundskur Vorteile für den Wahlmarathon 2009 verschaffen, dürfte mehr als unbegründet sein.

Samstag, 12. Januar 2008

Eisbärendreck, die Zweite

In Nürnberg droht derzeit eine Neuauflage der Geschehnisse, die sich im vergangenen Jahr im Tierpark der Bundeshauptstadt ereignet haben: eine weiß bepelzte Dame vom Polarkreis hat kurzerhand ihr Neugeborenes vor die Türe gesetzt, welches nun aller Voraussicht nach von Menschenhand großgezogen werden muss.
Eigentlich nicht der Rede wert, wenn nicht auch schon wieder dieses widerwärtige Medieninteresse aus seinem Winterschlaf erwachen würde, welchem offenbar nach nichts anderem der Sinn steht, als jedes Eisbärenbabybäuerchen in Bild und Ton zu dokumentieren.
Natürlich sind Tiergeschichten hip - vor allem in einem Zeitalter, in dem praktisch jedes zoologische Institut Deutschlands seine eigene nachmittägliche Daily Soap hat. Aber muss man der Republik nach Knut und Bruno nun ausgerechnet auch noch einen dritten Bären aufbinden? Bekommen Stinktiere etwa keinen Nachwuchs oder profitieren außer Steiff und Springer in Wirklichkeit noch ganz andere Parteien davon, Kinder, infantile Erwachsene und BILD-Leser jeden Tag aufs neue mit Bloggernerven tötenden Petz-Storys zu delektieren?

Samstag, 17. November 2007

Nur ein lausiges Strohfeuer

Eigentlich war der Vorfall geradezu prädestiniert der Polit-Eklat des Jahres zu werden: Ausgerechnet der verlotterte Zottelbart Wolfgang Thierse erdreistete sich Altkanzler und Ehrenmann Helmut Kohl zu beschuldigen, "seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen" allein gelassen zu haben und unterstellte ihm auf diese Weise unterschwellig sogar eine gewisse Mitschuld an deren Tod. Während die Bluthunde der Union schnell den Braten gerochen, sich bereits in den Waden des eher an einen Landstreicher als den Bundestagspräsidenten erinnernden Zonen-Zausels verbissen und unentwegt "Rücktritt" gekläfft hatten, legte der liebe Führer jedoch genau jene Gelassenheit an den Tag, die einen jeden großen Staatsmann auszeichnet. Mit der gewohnt väterlichen Großzügigkeit akzeptierte er die wahrscheinlich nicht einmal ernst gemeinte Entschuldigung und ließ den ungeschorenen Unhold noch einmal unrasiert davonkommen. Stattdessen präsentierte der Regierungschef a.D. doch lieber den mittlerweile dritten Band seiner Memoiren: Helmut Kohl und die Gefangene von Oggersheim.

Mittwoch, 14. November 2007

Franzomas

Wer war eigentlich dieser Franz Müntefering, der da gestern seine Kündigung als Arbeitsminister und Vizekanzler eingereicht hat? Irgendwann, wie aus dem Nichts, stand Münte plötzlich auf der Matte: von Gerhard Schröder wie ein weißes Kaninchen aus dem Hut gezaubert, schaute Franz fortan überall heraus, wo SPD draufstand. Zuvor nur eingefleischten Parteigenossen ein Begriff, mutierte Münte nach Schröders Wechsel von der Regierungsbank in den Managersessel schnell zu einer Art Galionsfigur des in Schieflage geratenen Sozi-Schiffes, und wurde mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte er die Sozialdemokratie erfunden, sogar zum Stellvertreter Angela Merkels in der neuen großen Koalition.
Ein Paradoxon war Münteferig allemal, denn medial und politisch quasi omnipräsent, ist er dabei niemals großartig in Erscheinung getreten, und selbst im Rampenlicht zog er nicht die ganz große Aufmerksamkeit auf sich: Er war der Backgroundsänger des stimmgewaltigen Startenors Schröder und die Zusatzbeleuchtung für den pfälzischen Kometen Beck, aber hielt sich dennoch immer im Hintergrund auf, höchstens mal an der Flanke, wie der Flügelmann eines Kampfpiloten. Welchen Zielen er nachging, welchem Auftrag er unter Umständen folgte oder welche Erfolge er verbuchen konnte, das alles weiß vermutlich nur er alleine, denn aufgefallen ist er nicht - weder im positiven noch negativen Sinn.
Und nun verschwindet Müntefering wieder in der Versenkung. Nicht aufgrund eines Skandals oder einer Revolte, nein, schlicht aus privaten Gründen. Ein schneller, sachlicher und unspektakulärer Abgang, die selbe Art und Weise auf die er einst aufgetaucht ist. Aus den Schatten in die Schatten, wie ein Agent auf geheimer Mission, ein Phantom wie Roy Makaay im gegnerischen Strafraum, der Franzomas eben.

Montag, 3. September 2007

Volltreffer

Ein Eigentor, quasi in der Nachspielzeit, scheint Wolfgang Schäuble geschossen zu haben, denn nach seinem grandiosen (Fall)Rückzieher hat er nun offenbar die Sportschützen gegen sich aufgebracht. Sich mit Kleintierzüchtern oder Schachspielern anzulegen, ist eine Sache, sich es jedoch mit den Knarrenfritzen zu verscherzen, könnte selbst für einen Innenminister nicht ungefährlich werden. Eine große Ungerechtigkeit sehen die Ballermänner vor allem darin, dass es Jägern im Vergleich sehr wohl gestattet ist, mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres ein Schießeisen zu erwerben. Schäuble sollte indes darauf achten, seine nächsten Schritte mit Bedacht auszuführen, denn eine Angleichung des Waffengesetztes für die Weidmänner, könnte durchaus zur Folge haben, dass zum Halali, etwa auf Rollwild, geblasen wird.

Sportfreunde Schäuble

Beinahe hätten sich Deutschlands Hobby-, Sport- und sonstige Schützen ab heute so nennen dürfen, denn der Minister für innere Unsicherheit wollte gestern noch eine Lockerung des Waffengesetzes durchboxen, Pardon: ballern. So schnell wie dieses Mal wurde Deutschlands rabiatester Rollstuhlfahrer jedoch noch nie ausgebremst, denn bereits am Morgen trat Sportsfreund Wolfgang wieder den Rückzug an. Ein Grund hierfür mag das Salut sein, welches dem innenministerialen Ego-Shooter von der Opposition, im Speziellen der aus Erfurt, Thüringen entgegengebracht wurde.
Schade eigentlich, denn ein bewaffneter Mob vor dem Innenministerium hätte doch für ungleich mehr Spannung sorgen können, als ein unbewaffneter Haufen Demonstranten.

Freitag, 24. August 2007

Die Unbelehrbaren

Zum Glück versank die DDR 1989 in den selben Ruinen aus welchen sie '49 auferstanden war, denn bei der Pisa-Studie hätte sie vermutlich noch schlechter abgeschnitten als der verhasste Bruderstaat im Westen. Wer es nämlich in vierzig Jahren hinter dem antifaschistischen Schutzwall immer noch nicht begreift, dass der einst unter österreichischer Fremdherrschaft eingeführte Lehrplan schon damals überholt war, und mittleweile noch viel weniger modernen pädagogischen Anforderungen entspricht, scheint an irgendeinem Zeitpunkt die Schule geschwänzt oder die Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Dies trifft sowohl auf die Schläger von Mügeln zu, die in bester SA-Manier eine Gruppe Inder durchs Dorf hetzten, als auch auf die tatenlos gaffenden Zuschauer, denn beide Gruppen scheinen offensichtlich nichts dazu gelernt zu haben. Die akuteste Versetzungsgefährdung besteht jedoch bei den Kommunalpolitikern, welche den Vorfall zunächst einmal auf fremdenfeindliche Motive hin prüfen wollten, denn nationalsozialistische Parolen alleine sind ja schließlich noch lange kein ausreichendes Indiz für eine rechtsextremistisch motivierte Tat. Im Gegenteil, so ist sie eben die deutsche Geselligkeit, da kann es auf Festen schon mal etwas handgreiflicher zugehen. Ja, nee, is klar.
Zum Glück versank damals mit der DDR auch die Mauer, denn noch einmal vierzig Jahre lang dahinter nachsitzen wäre eine angemessene Strafe für ein solches Betragen gewesen.

Montag, 20. August 2007

Heißer Herbst

Soeben verkündete Volker Kauder via Tagesschau in seinem unnachahmlichen Welsch das Ende der Sommerpause, und da diese - in Zeiten des Klimawandels verständlich - meteorologisch eher durchwachsen war, steht einem heißen Herbst - zumal im Jubiläumsjahr - doch eigentlich nichts mehr im Wege.
Dazu passend flatterte heute auch der erste Aufreger der neuen Saison ins Haus: Einen Mangel an Fachkräften will das Institut der deutschen Wirtschaft im Lande ausgemacht haben, der alleine in diesem Jahr bis zu 20 Milliarden Euro kosten soll. Alles halb so wild findet man auf dem T-Boot, denn ein Blick in die deutschsprachige Blogosphäre könnte des Rätsels Lösung sein: hier stehen sich doch die Fachkräfte, ganz wie die Prostituierten im legendären Song der Spider Murphy Gang, die Füße platt.

Mittwoch, 15. August 2007

Möglicherweise Mogelpackung

Irgendwas muss faul sein im Staate Deutschmark, denn wenn der Vorschlag eines Bundesministers die Zustimmung des Koalitionspartners, der Opposition und weiten Teilen der Wählerschaft findet, ist dies mindestens so verdächtig wie die Üblichen. Wenn dieses Anliegen, Beamte wie andere Normalsterbliche bis zum 67. Lebensjahr arbeiten lassen zu wollen, dann auch noch ausgerechnet dem Geiste Wolfgang Schäubles entspringt, ist ungleich größere Vorsicht geboten - man denke hierbei nur an das trojanische Holzross, und daran, dass auch ein Rollstuhl so manches Ungemach bergen kann. Holzauge sei also wachsam, solange noch nicht klar ist, welche Würmer welche Löcher im Holzkopf bohren!

Samstag, 11. August 2007

Der Preis ist weiß

In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts machte sie es noch selbst, nun macht's der Preis: aus einer dickflüssigen, weißen Pampe, für die sich bislang bestenfalls eine Handvoll Säuglinge begeistern ließ, ist der trendy Drink des Sommers geworden: Milch. Jahrhunderte lang blubberte die dröge, langweilige Brühe unbeachtet aus Kuheutern in Blecheimer, nun, da sie längst nicht mehr für jedermann erschwinglich ist, wird sie neben Prosecco auch endlich für die besser verdienende Schickeria interessant. Und da sich Trends im global village rasend schnell über den gesamten Erdball verbreiten, dürstet es bereits jetzt schon eine Milliarde Chinesen nach der hippen Erfrischung. Kuhsaft wird also zum Exportschlager des Exportweltmeisters und alle sind froh: im Reich der Mitte ist man up to date und geht mit der Mode der westlichen Welt, Arbeitsplatzkiller wie Alois Müller können sich endlich ihre eigenen Kuhhörner vergolden lassen und Bauer Jupp aus Buxtehude bekommt auch seinen Cent mehr pro Liter. Lange Gesichter macht höchstens die neugeborene Fangemeinde des eau de boeuf, aber die kann man doch in Zukunft auch mit Mäusemilch stillen.

Samstag, 16. Juni 2007

Schäuble in Lederhosen

Da vergeht einmal eine Woche ohne Orwell'sche Vorschläge zu Gesetzesänderungen, und was passiert? Der bayerische Innenminister, eben jener Trachtenträger aus der Überschrift, fängt an zu kläffen. Es ist beinahe so, als gäbe es neben dem Original in Berlin eine kleine, giftige Kopie, ähnlich Dr. Evil und seinem Mini-Me aus den Austin Powers-Filmen. Kaum ist nämlich die Linke gegründet, ja nicht mal einen Tag alt, da verlangt Schäub-Me Beckstein schon deren Überwachung durch den Verfassungsschutz - schließlich kann es ja nicht angehen, dass Kommunisten, ach, was sage ich, Stalinisten in Deutschland ungehindert schalten und walten dürfen. Aber, lieber Mini-Wolf, wer überwacht denn eigentlich diesen fäkalien-braunen Sumpf aus Burschenschaften, Geldadel, Schützenvereinen, Weltkriegsveteranen und Volksmusikern, den Ihr in Bayern kurz, und wie mir scheinen will liebevoll, CSU nennt?

Samstag, 9. Juni 2007

Außer Spesen nichts gewesen

Nun ist der G8-Gipfel vorbei, und alles was bleibt ist ein Sperrzaun um das Strandbad in Heiligendamm, eine neue Grenze mitten auf deutschem Boden. Angesichts des aus Betonklötzen bestehenden Fundaments muss man sich ernsthaft die Frage stellen, was der Bauherr tatsächlich mit diesem wie es scheint für die Ewigkeit gedachten Schutzwall im Sinn hatte.
Was nun tun mit diesem Unikum? Es als Mahnmal stehen lassen, um den Ostdeutschen klarzumachen, dass die Mauer im Bedarfsfall schneller wieder steht als ihnen lieb ist? Oder wird das ganze Areal umfunktioniert zum Umerziehungscamp für Green Peace- und Attac-Mitglieder, über dem Eingangstor das bedeutungsschwangere Schild Globalisierung macht frei?

Keine halben Sachen

Da gerät das halbe Großstädtchen Halberstadt einmal mit einem halbwegs großstädtischen Drogenskandal in die Schlagzeilen, und weiß nichts besseres mit diesem neuen Image anzufangen, als es gleich darauf wieder zu demolieren um energisch den Status Pampa aufrechtzuerhalten. Denn wo sonst, wenn nicht in der hintersten Walachei wird ein Theater-Ensemble - vermutlich - wegen des Irokesenschnitts, der zur Rolle eines der Darsteller gehört, und - vermutlich - gerade deswegen aus "politischen Gründen" auf offener Straße krankenhausreif geprügelt?
Es lässt sich also festhalten, dass der ursprünglich in humoristischem Sinne gebrauchte Terminus Sachsen-Stillstand zumindest für die Halberstädter in Wirklichkeit bitterer Ernst ist. Oder einfach dummer August.

Samstag, 2. Juni 2007

Kristallkugel, sage mir...

Noch vor Beginn des G8-Gipfels steht der Gewinner bereits fest: Es ist Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der bereits vor Wochen die heutigen Ausschreitungen in Rostock vorhergesehen und folgerichtig die entsprechenden Maßnahmen für Heiligendamm eingeleitet hat.
Wie dem auch sei, der Innenminister dürfte ob seiner hellseherischen Fähigkeiten ab sofort enormen Rückenwind bei seinen - und seien sie noch so abstrus - Vorschlägen zu Gesetzesänderungen erhalten.
Ob es sich bei Schäuble indes tatsächlich um einen Visionär handelt, ist nicht unumstritten, denn - ein Schelm, wer böses dabei denkt - ebenfalls heute hat der Innenminister in einem Interview mit der Berliner Zeitung erneut seine Forderung nach Online-Durchsuchungen bekräftigt. Sind die Ausschreitungen am selben Tag nun also dem Zufall zuzuschreiben, oder - die Frage muss erlaubt sein - gingen sie, wie die Demonstranten hartnäckig behaupten, von den Polizeikräften in der mecklenburgischen Hansestadt aus, die womöglich nur einer Order von oben folgten?
Natürlich würde niemals jemand auch nur auf die Idee kommen den Innenminister einer solch intriganten, die Gesundheit von Demonstranten und Polizisten gleichermaßen aufs Spiel setzenden Vorgehensweise zu bezichtigen. Falls doch, könnte Schäuble jedoch jeglichen Vorwurf bereits im Keim ersticken und einfach den Beweis antreten, dass er tatsächlich über die Gabe eines Wahrsagers verfügt, zum Beispiel indem er mir die Lottozahlen vom nächsten Wochenende voraussagt.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Der Schnüffler

Ganz ungeniert lebt dieser Tage der Bundesinnenminister seinen sexuellen Fetischismus aus: Er sammelt Geruchsproben. Dies ist sein gutes Recht, und an sich nicht verwerflich, denn Artikel 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sichert jedem Bürger das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu, das Ausleben der Sexualität inbegriffen. Einziger Haken: die Rechte anderer dürfen dabei nicht verletzt werden.
Aber genau das würde geschehen, wenn Schäuble sein Amt dazu missbraucht, um auf Massenveranstaltungen, wie etwa den Demonstrationen am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm, nach einer Vielzahl menschlicher Aromen zu fischen, denn irgendwie ist doch auch der Körpergeruch ein Teil der eigenen Person, und in dieser Eigenschaft nicht minder schützenswert als zum Beispiel das Recht am Bild.
Überhaupt ist unklar, was Schäuble mit einer derartigen Menge eingedoster Düfte beabsichtigt - zumal seine Lebensspanne, und somit auch der Lustgewinn, welchen der Schnüffel-Minister noch erzielen könnte, durchaus begrenzt sind. Die Spekulationen hierüber reißen nicht ab, und reichen von der durch Patrick Süskinds Parfum inspirierten Schaffung eines olfaktorischen Übermenschen, bis hin zu einem ausgebufften Trick um endlich an das langersehnte Odeur des Unionskollegen Heiner Geißler zu gelangen - dieser ist nämlich jüngst dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac beigetreten.