Dienstag, 10. Juli 2007

Brummschädel

Den Zustand eines vor Leere pulsierenden und gleichzeitig aufgrund von Überfüllung vibrierenden Hauptes kann man auf vielfältige Weise erreichen, etwa durch einen ungeschickten Sturz, übermäßigen Alkoholgenuss oder das Zusammenfassen zweier Einträge à 25 Seiten aus dem historischen Wörterbuch der Philosophie zu einem Fließtext. Alle drei Ereignisse führen zu ein und demselben Resultat: Man möchte sich im Kreise drehen, mit den Armen wedeln und dabei einfach nur Nonsens brabbeln wie etwa RAGgGAwuuuUUUh roG-Ruk MAouuu muuu ughUuuuiiieee likliklieeeek GwoAG-glog.
Glücklich kann sich schätzen wer ein Weblog führt und Leser hat, die diese Worte verstehen.

(K)night Blogger

Wie glaubwürdig sind eigentlich Blogger, die Beiträge weit nach Mitternacht veröffentlichen? Hand aufs Herz, assoziiert man mit dieser Klientel nicht automatisch Stereotypen wie den Sozialhilfeempfänger oder den Langzeitstudenten? Menschen, deren Wecker nicht um sechs Uhr morgens an den Broterwerb gemahnt? Oder handelt es sich vielleicht doch um Schlafgestörte und nicht Ausgelastete, die gerade um diese Zeit das erforderliche Maß an Muße für ein Weblog finden? Verliert ein unter Pseudonym verfasster Blogeintrag von Günther Grass gegenüber dem eines beispielsweise Dieter Bohlen nur deshalb an Wert, weil er um drei Uhr nachts und nicht pünktlich um halb zehn zur zweiten Tasse Kaffe ins Netz gestellt wird? Oder erwartet man gerade im Rahmen eines relativ jungen und irgendwie noch immer dynamischen Mediums wie dem Weblog Late-Night-Artikel von abgespacten Typen und schrägen Vögeln die, Freak genug, ihre Lebensweisheiten nur dann verbreiten, wenn Otto und Ottilie Ordinär längst in ihren Daunen liegen? Liest Triple-O überhaupt Blogs, oder sind am Ende die Rezipienten der elektronischen Logbücher die selben Spinner wie deren Autoren?

Montag, 9. Juli 2007

Aus der Bär!

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass ein Ende der scheinbar jedes Frühjahr in Deutschlands Medien stattfindenden Bärenplage in Sicht ist: Knut wird ab sofort nicht mehr gemeinsam mit seinem Pfleger im Zoo auftreten. Die Gründe hierfür sind eigentlich so klar wie die Eiskristalle am Nordpol, denn der Bär, der wohlgemerkt ein Raub- und kein Kuscheltier ist, steckt mitten im Wachstumsprozess und wird dementsprechend seinen Betreuer binnen kürzester Zeit überholen beziehungsweise sogar überrunden - zumindest auf die Körperkraft bezogen.
Deshalb ist es auch alles andere als eiskristallklar, warum nun "Knut-Fans" empört auf das Ende der "Knut-Show" reagieren, denn schließlich heißt der für die Petzhege Verantwortliche Thomas und nicht Daniel, dessen Trick bekanntlich ja auch nur in Löwen- und nicht Bärengruben funktioniert. Interessanterweise berichtet allerdings alleine die Bild - das inoffizielle Sprachrohr des ursus maritimus - über echauffierte Besucher, andernorts, etwa vor dem Spiegel oder auf dem Stern weiß man von diesen nämlich nichts.
Wo also kommen sie her, jene dämlichen Anhänger des Bärenkultes, die sich darüber aufregen, dass sich nur zu ihrer Belustigung ein Mensch nicht bewusst in Lebensgefahr begibt und sich in einen Bärenkäfig setzt? Allem Anschein nach müssen sich diese doch dann aus der Bild-Leserschaft wenn nicht gleich direkt aus der dortigen Redaktion rekrutieren.

Sonntag, 8. Juli 2007

Komm, wir spielen Kühlungsborn

Kein Problem, denn mit dem neuen "Police-Boot"-Set von Playmobil lässt sich die Verfolgungsjagd vom G8-Gipfel in Heiligendamm perfekt nachspielen - der zugehörige Werbespot macht vor wie's geht: ein Hi-Tech-Polizeischiff, bei welchem selbst Sonny Crockett und Rico Tubbs vor Neid erblassen würden, stoppt beziehungsweise überrollt ein Schlauchboot mit menschlichen Insassen. Ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie man Kindern auf spielerische Weise die Welt erklären kann.
Beim nächsten Mal nimmst Du aber die doofen Öko-Terroristen.

Sonntag, 1. Juli 2007

Der Muscheltrick

Etwas ganz was Feines, sozusagen eine Auster unter Miesmuscheln, hat sich da die Marketing-Abteilung des Ölkonzerns Shell ausgedacht: einen neunminütigen Kurzfilm über "eine von wahren Begebenheiten inspirierte Geschichte", welcher eine derart saubere, heimelige und so gar nicht ölverschmierte Welt zeigt, dass man am liebsten sämtliche Solarzellen und Windkrafträder auf der Stelle zerschlagen möchte.
Der kompetent-coole holländische Ingenieur Jaap findet bei allem beruflichen Stress immer noch die Zeit, einer jungen asiatischen Reporterin seine Arbeit bei einem Trip mit Jeep und Hubschrauber zu erklären. Mitten in der von hollywoodreifer Musik unterlegten südostasiatischen Traumlandschaft klingelt permanent das Handy: Es ist Jaaps Sohn Max, ein pubertierender Teenager der unbedingt mit seinem Vater telefonieren möchte (Hä?). Nachdem es nun auch mit den neuen Ölfeldern Probleme gibt, rät die Reporterin - natürlich hat sie als Asiatin auch immer eine Lebensweisheit parat - zu einem Taptenwechsel, der zumindest ihr immer gegen die Schreibblockade hilft. So kommt es, dass Jaap und Max einen gemeinsamen Tag in Amsterdam mit Fußball und Fast-Food verbringen und Jaap beim Anblick seines Milch-Shake schlürfenden Sprößlings die Idee zum Schlangenbohrer kommt, mit dem sich viel mehr Öl als gewöhnlich durch ein einziges Bohrloch saugen lässt...
Was, Sportsfreunde von der Shell, soll ich denn nun aus diesem Film mitnehmen? Gut, Ihr macht auch nur Euren Job; Jaap rechtfertigt seinem Sohn gegenüber in einer Faustformel die ganze Ölindustrie: Ohne Öl keine Lkws, ohne Lkws kein Transport und ohne Transport keine Limonade - das leuchtet selbst mir, der ich schließlich auch hin und wieder tanken muss, ein. Und dass ich meinen Tank von nun am besten bei Euch fülle ist ebenso klar, denn immerhin seid Ihr die sauberen Jungs in einem schmutzigen Geschäft. Aber weiter? Soll ich jetzt etwa mehr tanken, damit auch ich einen Platz in der heilen Welt Eurer Oil-Opera habe? Und dementsprechend mehr fahren, während ich mich zufrieden-zuversichtlich im Sitz zurücklehne, weil Euer Schlangenbohrer, der auch noch den letzten Tropfen absaugt, genügend Zeit schindet um alternative Energiequellen zu erschließen? Wer sucht den nach diesen, Ihr? Klappt doch einfach den Deckel Eurer Muschel zu und denkt Euch einen neuen Trick aus.