Donnerstag, 31. Mai 2007

Nicht mal Kaas im Kopp

Dass wir unserem kleinen, oranje-farbenen Nachbarland in puncto "TV-Formate, auf die die Welt gewartet hat", nicht einmal annähernd das Wasser reichen können, dürfte spätestens seit der Großen-Brüder-Spanner-Show, bei welcher einige der bemitleidenswerteren Exemplare der Spezies Homo Sapiens zu Beobachtungszwecken in einen Wohncontainer gepfercht wurden, hinlänglich bekannt sein.
Nun soll in Frau Antjes Heimat der nächste Knaller anlaufen, De Grote Donorshow; zu deutsch die große Spendershow. Wer jetzt denkt, dass hier geneigte Gönner großzügig ihre Barschaften unterm Volk verteilen hat sich allerdings getäuscht, denn gespendet werden sollen menschliche Organe, genauer die Niere einer todkranken Frau, welche einem von drei Kandidaten vermacht werden soll.
Man mag Organspenden zwar - und nicht zu Unrecht - kritisch gegenüber stehen, dass sie durchaus eine lebensrettende Maßnahme darstellen, dürfte unbestreitbar sein. Dass allerdings wie in De Grote Donorshow letztendlich die Fernsehzuschauer via SMS darüber entscheiden sollen, wer nun die Niere erhält und sich somit unter Umständen zu den Herren über Leben und Tod aufschwingen, öffnet, auch wenn die Ergötzung am Leid anderer Menschen seit jeher einen der größten Unterhaltungsfaktoren darstellt, die Pforten zu ganz neuen, makaberen TV-Dimensionen, welche an Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten sind.
Man muss jedoch auch Nachsicht mit der Produktionsfirma Endemol üben, denn die Organspende scheint eine lange Tradition in diesem Hause zu haben: von der im Schädelknochen eingebetteten grauen Substanz hat man in der Vergangenheit wohl so einige Kilogramm abgeben.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Der Schnüffler

Ganz ungeniert lebt dieser Tage der Bundesinnenminister seinen sexuellen Fetischismus aus: Er sammelt Geruchsproben. Dies ist sein gutes Recht, und an sich nicht verwerflich, denn Artikel 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sichert jedem Bürger das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu, das Ausleben der Sexualität inbegriffen. Einziger Haken: die Rechte anderer dürfen dabei nicht verletzt werden.
Aber genau das würde geschehen, wenn Schäuble sein Amt dazu missbraucht, um auf Massenveranstaltungen, wie etwa den Demonstrationen am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm, nach einer Vielzahl menschlicher Aromen zu fischen, denn irgendwie ist doch auch der Körpergeruch ein Teil der eigenen Person, und in dieser Eigenschaft nicht minder schützenswert als zum Beispiel das Recht am Bild.
Überhaupt ist unklar, was Schäuble mit einer derartigen Menge eingedoster Düfte beabsichtigt - zumal seine Lebensspanne, und somit auch der Lustgewinn, welchen der Schnüffel-Minister noch erzielen könnte, durchaus begrenzt sind. Die Spekulationen hierüber reißen nicht ab, und reichen von der durch Patrick Süskinds Parfum inspirierten Schaffung eines olfaktorischen Übermenschen, bis hin zu einem ausgebufften Trick um endlich an das langersehnte Odeur des Unionskollegen Heiner Geißler zu gelangen - dieser ist nämlich jüngst dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac beigetreten.

Dienstag, 22. Mai 2007

Galgenhumor?

Zugegeben, es gibt weitaus subtilere Mittel Kritik an der Bild-Zeitung zu üben, als einen Brandsatz nach dem - vor allem auch noch - Privatwagen des Chefredakteurs zu werfen. Allerdings sind Herr Diekmann, sein Blatt und ihre Auffassung von Journalismus auch nur bedingt als die Meister des Unterschwelligen bekannt, und so mancher - wenn auch verbale - Molotowcocktail hat in der Vergangenheit die Redaktion der Bilderbuch-Boulevardzeitung verlassen. Der oder die Täter könnten demnach befürchtet haben, dass eine andere Form der Unmutsbekundung erst gar nicht wahrgenommen worden wäre.
Unter Umständen jedoch mag dieses Ereignis durchaus Positives bewirkt haben, nämlich eine ganz neue Selbstironie im Hause Springer; zumindest wurde das so genannte Girl von Seite 1 heute mit den Worten "Ich bin Feuer & Flamme" auf der Homepage der Bild-Zeitung angepriesen. Möglicherweise ist dies aber auch nur ein Beleg dafür, dass die linke Hand einmal mehr nicht wusste, was die Rechte macht.

Montag, 21. Mai 2007

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten...

Soeben erhielt ich einen Anruf aus der Bonner Kabelbude. Eine Mitarbeiterin von Herrn Obermann wollte von mir wissen, ob ich in jüngster Zeit eine "Tarifumstellung" vorgenommen hätte. Das hatte ich zumindest verstanden, und weil ich mir dessen nicht gänzlich sicher war, bat ich mit den Worten Ich soll was getan haben? indirekt darum, das Gesagte noch einmal zu wiederholen. Da ich seit mittlerweile über zwei Jahren nicht mehr zum Kundenkreis der Tele-Komiker gehöre, war ich zwar etwas verwundert, freute mich insgeheim aber schon auf ein kurioses und - zumindest für mich - spaßiges Telefonat, welches von meiner Gesprächspartnerin jedoch plötzlich und unerwartet mittels Auflegen des Hörers beendet wurde.
Sind dem Obermann'schen Sparkurs nun auch schon die internen Telefonanlagen zum Opfer gefallen, und qualitativ dermaßen minderwertig, dass sie von Zeit zu Zeit den Dienst verweigern, oder verdrießt das Telefon-Terror-Netzwerk systematisch seine ehemaligen Kunden? Und überhaupt, wieso werde ich angerufen, wenn die doch eigentlich streiken sollten?

Mittwoch, 16. Mai 2007

Nachladen!

Kleines Jubiläum: 25. Beiträge haben bislang die Torpedorohre des T-Boots verlassen, dabei musste bislang - glücklicherweise - noch kein so genanntes Friendly Fire vermerkt werden. Andernorts ist dies nicht der Fall.
Etwa in der Bundesmarine, wo die Fregatte Lübeck am 2. Mai nicht etwa ein anderes befreundetes Schiff, sondern tatsächlich sich selbst beschossen hat. Die Gründe für den Schuss vor beziehungsweise in den eigenen Bug sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt - zumindest noch nicht bekannt gemacht worden. Wahrscheinlich ist es auch besser, wenn nicht an die Öffentlichkeit gelangt, welche Deppen im Notfall für die Landesverteidigung verantwortlich sind und wie grobfahrlässig mit dem Millionen Euro teuren Kriegsmaterial umgegangen wird. Vermutlich lässt sich auch dieser Zwischenfall, wie bereits jener im April, als ein Kampfflugzeug vom Typ Tornado gegen eine schweizerische Bergwand geflogen wurde, auf mangelhafte Übung zurückführen. Kein Wunder, haben doch die Ausbilder der Bundeswehr schon mehr als genug damit zu tun, ihre gefesselten Rekruten mit Tritten, Schlägen und Stromstößen in Schach zu halten.